Theater, soviel in einen Garten passt!
Nicht weniger als fünf Stücke stehen in dieser Freilicht-Saison auf unserem Spielplan. Außer den beiden neuen Produktionen „Die Räuber“ und „Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie“ zeigen wir noch einmal die beiden Erfolgsproduktionen der letzten Saison „Die Kinder des Olymp“ sowie „Harry und Sally“. Im Kindertheater tritt erneut „Momo“ gegen die grauen Herren an.
In diesem Sommer stellen wir neben die Film-und Romanstoffe ganz bewusst unsere inzwischen vierte Schiller-Inszenierung: Mit Klassikern ist der Theatersommer groß geworden, Klassiker sind und bleiben eines unserer Standbeine!
Die Qualität der „Räuber“ zeigt sich einmal mehr daran, dass Schiller uns mit existentiellen Fragen berührt, ohne uns dann mit platten Antworten abzuspeisen. Wo Schiller die Liebe schon streift, tritt sie mit Jacques Préverts „Kinder des Olymp“ vollends in den Mittelpunkt des Bühnengeschehens. Die rätselhafte, allgegenwärtige und doch unnahbare Figur der Garance spiegelt dieses Liebesmotiv in vielen Facetten. Kaum weniger erfindungsreich loten „Harry und Sally“ Schlag auf Schlag die Potentiale des Zwischenmenschlichen aus. Wobei der Akzent hier eindeutig auf dem genüsslichen Betrachten der Polarität von Mann und Frau liegt und der rettungslos unvernünftigen, wunderschönen und hoffentlich gottlob erlösend-erfolgreichen Happy-Endsucht. Für Harry und Sally selbst wäre dann, nach ihrem glücklichen Zusammenschluss, ein Besuch im Theatersommer genau das Richtige. Sie würden unsere neue Inszenierung nach Woody Allens Film „Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie“ gemeinsam anschauen, sofort Position für oder gegen einzelne Akteure dieses sommerlichen Liebesreigens beziehen und auf offener Bühne in Streit geraten. Im Kindertheater schließlich geht es bei Michael Endes „Momo“ nicht weniger dramatisch und nicht weniger komisch zu. Momo will sich nicht ins „Nützlichkeits“-Schema der grauen Herren pressen lassen. Sie trotzt den Einflüsterungen der Zeitdiebe und will über ihr Leben selbst bestimmen.
Selbst wenn sich die Zuschauer im Theater manchmal nur unterhalten wollen, suchen sie doch immer auch Erfahrungen, Einblicke und Gedanken, die sich hinter der glanzvollen Fassade von Erfolg, Schönheit und Reichtum verstecken, von der sie sonst umgeben sind. Durchaus spannend wäre zu hören, was Schiller über die heute gängige Auffassung von Erfolg und Kreativität zu sagen hätte. In Zeiten des Sturm-und-Drang durfte der Künstler wenigstens in Sachen Kreativsein eine gewisse Exklusivität beanspruchen. Bezeichnenderweise sprechen wir heute von „den Kreativen“, wenn wir die Werbebranche meinen – Spezialisten, die den Kommerz fördern, statt sich kreativ von Konsumdruck und gesellschaftlichen Zwängen zu befreien. Mehr noch, kreativ ist heute bei Licht besehen jeder, so wie jeder erfolgreich sein muss. Aber sind es nicht gerade die Kehrseiten, die Umwege und Abwege, die das Menschliche am treffendsten ausdrücken? Das einmalige am Theater ist, dass man herausfinden kann, wie Realität entsteht oder zerbricht oder durchlässig wird für andere Realität; und was das für uns bedeutet.
Die Höhepunkte der Kunst- und Theatergeschichte jedenfalls sind keine glatten Erfolgsstories. Diese Stoffe entspringen vielmehr aus Freiheit, Individualität und Scheitern. Tragische Fallhöhe diente seit jeher als natürliche Energiequelle fürs Theater – und machte es idealerweise gerade dadurch erfolgreich.
Wir laden Sie ein diesen magischen Ort des Theaters zu besuchen, an dem man das tun kann, was die Gesellschaft immer weniger zulässt – durchatmen …
Christiane Wolff & Peter Kratz
künstlerische Leitung / Intendanz

