Der Himmel über Berlin - Wings of Desire

Bericht 2011

nach dem Drehbuch von Wim Wenders, Peter Handke und Richard Reitinger
Bühnenfassung: Peter Kratz - alle Rechte beim Verlag der Autoren

Regie: Peter Kratz            Musik: John King             Kostüme: Steph Schneider
Mit: Mimi Beaufort-Spontin, Gesine Hannemann, Andreas Klaue, Amor Schumacher, Jens Woggon

Antike Mythen, Detektivserien und Rockkonzerte – eine Liebeserklärung an das Leben

Damiel und Cassiela (A. Klaue/ A. Schumacher) © Andreas Essig

Damiel und Cassiela (A. Klaue/ A. Schumacher) © Andreas Essig

Obwohl wir in unseren Werbemedien darauf verzichtet hatten, die Inszenierung als deutsche Erstaufführung zu bewerben, hat der renommierte „Verlag der Autoren“ in seinen Verlagsnachrichten darauf explizit hingewiesen. Nach Hermann Hesses „Steppenwolf“ und Woody Allens „Purple Rose of Cairo“ konnten wir mit „Himmel über Berlin“ bereits die dritte Erstaufführung nach Ludwigsburg holen. Nachdem im letzten Jahr das SWR Fernsehen einen ausführlichen Bericht über „Purple Rose of Cairo“ sendete, war das Medieninteresse an „Himmel über Berlin“ ebenfalls sehr groß. Die „Deutsche Welle“, deren Radio-und Tonbeiträge auf der ganzen Welt empfangen werden können, sendete in diesem Jahr einen langen Bericht über den Theatersommer und die Erstaufführung von „Himmel über Berlin“. Kein Zweifel, der Theatersommer hat in der Theaterlandschaft auch überregional an Bedeutung gewonnen.

Abgesehen von diesen sehr positiven Begleiterscheinungen war der Start für die Produktion denkbar ungünstig, da die Premiere gleich drei Mal wegen schlechten Wetters verschoben werden musste. Das ganze Ausmaß dieses Fehlstarts verdeutlichte sich auch in den Zuschauerzahlen. Die ursprüngliche Premiere war trotz der Pfingstferien ausverkauft. Im zweiten Anlauf halbierte sich die Zahl der Vorbestellungen und in der tatsächlichen Premiere saßen dann nur noch ca. 50 Zuschauer, die uns trotz Nieselregen und Kälte treu geblieben waren.

Ensemble Wings of Desire © Andreas Essig

Ensemble Wings of Desire © Andreas Essig

Den Film „Himmel über Berlin“ auf die Verhältnisse des Cluss-Gartens zu übertragen war kein leichtes Unterfangen, denn Wenders Kinoparabel fasziniert heute vor allem durch die zeitgeschichtlichen Aspekte des bei Entstehung des Films geteilten Berlins. Der Film wird geprägt von einem poetischen Zauber, der gänzlich auf dramatische Akzente verzichtet. Im Vordergrund stehen Peter Handkes Sprachkunst und Wim Wenders beeindruckende Bildsprache.

Die Fassung des Theatersommers musste andere Schwerpunkte setzen und sowohl Handkes Sprache, als auch Wenders Bildsprache neu interpretieren. Ausgehend von der Idee des Bühnenbilds, das einen ausgebrannten alten Zirkus zeigte, konnte die Adaption durch geschickte dramaturgische Veränderungen neue Handlungsebenen schaffen und die Figurenkonstellation ergänzen. Die Stärke des Theaterabends lag in seiner Ruhe, die nach und nach eine magische Atmosphäre erzeugte, der sich die meisten Zuschauer nicht entziehen konnten.

Madame Homer und Marion (G. Hannemann/ M. Beaufort-Spontin)

Madame Homer und Marion (G. Hannemann/ M. Beaufort-Spontin)

Die Inszenierung war für so manchen tempoverwöhnten und humororientierten Theatersommer-Zuschauer zwar gewöhnungsbedürftig, überzeugte aber gerade durch ihre konsequente Umsetzung. Es entstand eine Art Menschheits-Gemälde, das sich behutsam und stimmungsvoll in die Natur des Theatergartens integrierte. Dabei trug die von Mozart inspirierte Musik des New Yorker Komponisten John King mit ihren vielschichtigen Kompositionen kongenial zum Gelingen bei. Die Musik wurde über einen Zeitraum von drei Monaten parallel zum Schreibprozess speziell für die Aufführung komponiert und in New York aufgenommen. Leider ist es für den Theatersommer aus finanziellen Gründen immer noch nicht möglich mit Live-Musikern zu arbeiten, was speziell bei den Musiken von John King sehr schade ist, denn Kings Kompositionen werden normalerweise von den großen Orchestern internationaler Opernhäuser konzertant aufgeführt.

Ob es im nächsten Jahr eine Wiederaufnahme von „Himmel über Berlin“ geben wird, ist eher fraglich, denn durch die Anforderung des Stoffes an eine ganz spezielle Ensemblekonstellation, in der neben den schauspielerischen Voraussetzungen, sowohl artistische, als auch musikalisch-tänzerische Fähigkeiten gefragt sind, ist die hochkarätige Besetzung der Saison 2011 nur schwer wieder zu gewährleisten.

Ensemble "Himmel über Berlin - Wings of Desire" (v.l.n.r. M.Beaufort-Spontin, J.Woggon, G.Hannemann, A.Klaue, A.Schumacher)

Ensemble "Himmel über Berlin - Wings of Desire" (von links M. Beaufort-Spontin, J. Woggon, G. Hannemann, A. Klaue, A. Schumacher)

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