Purple Rose of Cairo

nach dem Filmklassiker von Woody Allen

alle Rechte beim Fischer Verlag

Regie: Peter Kratz              Kostüme: Steph Schneider
mit: Mimi Beaufort-Spontin, Ulrike Fischer, Andreas Klaue, Peter Kratz, Amor Schumacher, Jens Woggon

Szenenfoto Jason (A.Klaue), Henry (F.Dücker), Rita (M.Schwaiberger), 2010

Foto: Jason (A. Klaue), Henry (F. Dücker), Rita (M. Schwaiberger), 2010

Die Wiederaufnahme der Erfolgsproduktion aus der Saison 2010 sollte in der Gesamtbalance unserer Spielplankonzeption ein wenig finanzielle Planungssicherheit bringen. Leider spielte auch hier das Wetter nicht mit und so konnte nur eine einzige Vorstellung bei guten Wetterbedingungen stattfinden. Diese eine Vorstellung zeigte jedoch eindringlich, wie sehr sich auch das Publikum etwas Sommer herbeigewünscht hatte, denn diese Vorstellung war innerhalb eines einzigen Tages ausverkauft, nachdem die Wettervorhersagen eindeutig positiv waren.

Die Inszenierung musste mit drei neuen Schauspielern umbesetzt werden, verlor aber dadurch nicht an Glanz und Humor. Das lag sicherlich auch daran, dass die drei Hauptrollen von denselben Schauspielern gespielt werden konnten wie in der Saison 2010. Die Darstellerin der Cecilia, Ulrike Fischer, die sich im Festengagement bei den städtischen Bühnen Paderborn befindet, opferte ihre Theaterferien, um noch einmal bei uns zu spielen. Ihr Charisma und ihr schauspielerisches Können trugen wieder wesentlich zum Gelingen der Produktion bei. Aber auch Jens Woggon und Andreas Klaue, die auch in „Himmel über Berlin“ spielten, bildeten einen Garant für die schauspielerische Qualität der Inszenierung. Neu in der Produktion waren die beiden Schauspielerinnen Amor Schumacher und Mimi Beaufort-Spontin, die auch im „Himmel über Berlin“ mit dabei waren. Sie fügten sich mühelos in das Rollengerüst der letztjährigen Besetzung ein und setzten mit ihren Persönlichkeiten erfrischende neue Akzente.

Szenenfoto: Filmboss Hirsch (A.Klaue), 2010

Foto: Filmboss Hirsch (A. Klaue), 2010

Genau 25 Jahre liegt der Kinostart von „The Purple Rose of Cairo“ nun schon zurück. Doch die Versuchsanordnung Woody Allens wirkt heute so inspiriert und anregend wie eh und je. Besteht seine große Leistung doch darin, derart viel Stoff zum Nachdenken mit so viel poetischer Leichtigkeit zu transportieren. Die Dramatisierung des Filmklassikers geht jedoch weit darüber hinaus, die Geschichte des Films einfach nur nachzuerzählen, kann sie doch mit der Unmittelbarkeit des Theaters Akzente setzen, die im Film nicht möglich sind. Die Bruchlinie zwischen Film und Realität wird zum intensiven Theatererlebnis, in dem die Figuren tatsächlich aus Fleisch und Blut von der Leinwand steigen, um vor den Augen des Theatersommer-Publikums ganz real auf der Bühne zu agieren.

Szenenfoto: Tom Baxter/J. Woggon, 2010

Foto: Tom Baxter (J. Woggon), 2010

„Freilichttheater auf der Höhe der Zeit!“ – so beschrieb ein Kritiker vor einigen Jahren die spezielle künstlerische Handschrift des Theatersommers. Ein Slogan, den man sich gerne auf die Fahnen schreibt. Bei näherem Betrachten versteckt sich dahinter auch die weit verbreitete Meinung, dass Freilichttheater meist alles andere als auf der Höhe der Zeit ist. Aber was bedeutet es, mit der Kunst und dem Theater auf „der Höhe der Zeit“ zu sein? Heißt dies, die Themen der Tagespolitik zu bündeln und auf der Bühne zu thematisieren? Der Theatersommer hat die Themen seines Spielplans nie direkt an einer bestimmten Zielgruppe orientiert, sondern stets versucht, mit den gesellschaftspolitischen, psychologischen und sozialen Inhalten der Theaterstoffe auf Augenhöhe zu kommen und in der schauspielerischen Umsetzung keine Kompromisse zu machen.

Szenenfoto: Filmstars, 2010

Foto: Filmstars, 2010

Wenn die Wiederaufnahmen von Produktionen deutlich machen, dass die Inszenierungen auch nach einer Pause von teilweise mehreren Jahren das Publikum erreichen und in Stil, Thematik und schauspielerischer Umsetzung eine Wirkung erzielen, die sich über Modernismen und Trends hinwegsetzt, dann befindet sich das Theater immer auf der „Höhe der Zeit“.

Wir freuen uns, mit „Purple Rose of Cairo“ einen weiteren zeitlosen Theatersommer-Klassiker im Repertoire zu haben, der sicherlich in den nächsten Jahren immer wieder auf dem Spielplan stehen könnte.

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