Es lebe das Leben!

In unseren drei Premieren wie in den Wiederaufnahmen für 2018 gilt: Das Leben und die Liebe setzen sich durch – und sorgen für jede Menge Reibung. Im Weißen Rössl hat und bekommt die Liebe, Urprinzip des Lebens, ihren dreifach eigenen Willen. Der Mensch denkt, die Liebe lenkt, das Leben behält die Oberhand! Überhaupt arbeitet das Leben mit allen Mitteln, und gegen einen gewissen Doktor Faust braut sich etwas zusammen. Faust setzt alles auf eine Karte, auf die Wucht der Sprache. Das Wort gestaltet noch die wüsteste Welt. In der surrealen, menschenleeren Stadt der Träume heißt es, absurde Einsamkeit zu verarbeiten. Das Leben hält mit der Fantasie die Stellung, will Regisseur bleiben, Stadt-Visionen beschwören und inszenieren. Selbst in feindlichster Umgebung beweist der Mensch seinen Überlebenswillen: Die Wand ist übermächtiger Widerstand und existentielles Gefängnis zugleich und schenkt dadurch einer Frau die größte Chance ihres Lebens. Auch im Kinder- und Familientheater tobt wie immer das Leben. Zum ersten Mal in diesem Jahr kann ein eigenes Kindertheater-Ensemble zwei Geschichten für zwei Altersklassen erzählen. Der schlaue Kalle Blomquist bekämpft die nicht ganz so schlauen Verbrecher. Mit verdientem Erfolg, es lebe das Gute! Und sobald das Urmel aus dem Eis auftaucht, sprudeln für die kleinen und großen Zuschauer Sprachwitz und freche Lebensfreude pur.

Der Klassiker Im Weißen Rössl kommt bei uns nicht in einer der Operettenfassungen auf die Freilichtbühne, sondern nach dem Original-Theaterstück von Oscar Blumenthal. Doch geht es darin nicht weniger musikalisch zu, die energiegeladene Persiflage vibriert vor Evergreens; für weitere zeitgemäße Schwingungen ist in unserer modernisierten Bearbeitung ohnehin gesorgt. Auch ein heimisches Gewässer plätschert mit. Direkt hier am Ludwigsee wird, in frischer Ludwigsluft, lustvoll geworben, geliebt, gesehnt und bei alledem an den Geschlechterrollen gerüttelt, wie sich’s gehört. Trotz aller Überraschungen darf man auf eins vertrauen: Die Liebe bricht sich locker Bahn.

Dichter, dunkler, drastischer geht es bei Faust zu, der durch Werner Schwab eine erstaunliche Wandlung erfahren hat. Schwab komprimiert und formt den kapitalen Stoff in überraschender, eigenständiger Weise um. Der als Sprachkünstler gefeierte Autor lässt seinen Doktor Faust Wortfeuerwerke abbrennen, die unterm freien Himmel des Theatersommers gleichermaßen von Verzweiflung und Lebensgier zeugen. Ein regelrecht neu erfundener, eigener Sprachstil entsteht, originell, feurig-impulsiv und randvoll mit radikaler Lebensenergie. Schwab schlägt Sprachfunken aus seinem Material: „Ich behandle Sprache wie ein Bildhauer“. Diese Sprache glüht faustisch nach, so viel sei schon vorab verraten. –

Nicht viel verraten wir über die dritte Premiere, Stadt der Träume. Höchstens dies, dass dafür der große Filmregisseur Federico Fellini mit seinem „Buch der Träume“ Pate gestanden hat. Und dass die humorvoll-poetische Produktion voller Visionen steckt, zumal sie noch aus Javier Tomeos „Die Taubenstadt“ und Italo Calvinos „Die unsichtbaren Städte“ schöpft. –

Unser erstes Solostück, Die Wand nach Marlen Haushofer, hat bereits bei seiner Premiere 2015 die Zuschauer gefesselt und war die ganze Saison hindurch ausverkauft. Rätselhafte Geschehnisse schneiden ein Leben plötzlich von der Außenwelt ab. Eine Frau, total auf sich allein zurückgeworfen, stellt sich siegreich dieser Herausforderung und gewinnt, nach langem Kampf, tiefe Erkenntnisse über den Sinn des Lebens. –

Nicht weniger spannend geht es im Kinder- und Familientheater zu. Ein quicklebendiger Kalle Blomquist wird zum allerbesten Meisterdetektiv, um dunkle Machenschaften aufzudecken. Tante Mia und der Polizist sind dem aufmerksamen Nachwuchs-Sherlock zwar keine große Hilfe, aber zum Glück gibt es ja Lotta – und viele hellwache Spürnasen im Publikum. Hellwach ist auch der andere Star unseres Kindertheaters, das Urmel aus dem Eis. Frisch aus dem Ei im Eis zu uns gekommen, kann es endlich nach Herzenslust die Welt entdecken. Wenn da nur nicht die dauerbesorgte Mama Wutz wäre und, schlimmer noch, der König Pumponell auf Urmelfang-Safari! Doch als Urmel lässt man sich nicht unterkriegen. So wenig wie Urmels amüsante, multikulturelle, quirlige Schar von Gefährten – die logischerweise für jede Menge höchst lebendigen Theaterspaß sorgt.

Der Sieger ist das Leben: Wirklich eine Weltenregel? Im Menschheits-Maßstab können wir das nur hoffen. Im Theatersommer dürfen wir es hingegen die ganze Saison lang feiern. Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, tauchen Sie ein in unsere Spielzeit 2018. Lauschen und staunen Sie, wieviel Leben hier über die Bühne geht! Besuchen Sie uns im Theatergarten, freuen Sie sich über starke Klassiker in freier Luft, erobern Sie dramatisches und komisches Neuland zwischen echten Bäumen. Strahlendes Sommer-Sonnenwetter haben wir nicht immer vorrätig – aber die uneingeschränkte Lizenz für fantastische Theaterabende. Bis bald im Theatersommer!