Die Spielzeit 2017 – Theater im Garten, kultivierte Vielfalt!

Ein starkwüchsig verzweigtes, vitales Programm: Sechs Stücke ranken sich zum diesjährigen Spielplan zusammen, unter ihnen Bewährtes, Neues und Neukombiniertes. Ein frisch eingepflanzter „Frankenstein“ ringt, so dramatisch wie anrührend, mit seinen selbstgezüchteten Gewächsen. In der Pseudo-Klapse „Pension Schöller“ treibt der ganz normale Wahnsinn seine bunten witzigen Blüten. Nach der so erfolgreichen Premiere 2016 wachsen „Die Nibelungen“ erneut über sich hinaus und kämpfen um einen Zuschauerrekord. Derweil überwuchert wildes Dada die Rondellbühne, wobei wir „Familie Dada im Urlaut-Wald“ mit der neuen, kubistischen Rebsorte „Gertrude & Die Steine des Anstoßes“ veredelt haben. Im Kindertheater lockt ein wiederaufgenommener, urwüchsiger „Räuber Hotzenplotz“ die jungen Zuschauer so magisch wie lustig in seine grüne Räuberhöhle.

Mary Shelleys „Frankenstein“ nimmt in der Bearbeitung durch den bekannten Bühnenautor Nick Dear eine überraschende neue Gestalt an. Dear, dessen Stück in London monatelang ausverkauft lief, überlässt die führende Rolle nicht dem skrupellosen Forscher. Hier dominiert vielmehr Frankensteins Geschöpf, dessen Motive uns buchstäblich gewaltsam transparent werden – und das uns im Guten wie im Bösen den Spiegel vorhält. Im Theatersommer konzentriert und „geerdet“, atmet dieser Klassiker auf typische Weise Freilichtluft. Vier Schauspieler wechseln einander in der Rolle des Wesens ab, die Gartenbühne „spielt“ fantasievoll die Natur-Schauplätze: ein Erlebnis, das alle Sinne anspricht.

Eine ganz andere Welt eröffnet sich in der zweiten Premiere der Spielzeit. Was fühlt sich an wie Irrenhaus, ist aber eine spritzige Komödie? Richtig, die „Pension Schöller“. Denn deren Insassen – pardon, Bewohner – sind schräge Vögel, die Freiheit und Phantasie über alles lieben. So erscheinen sie verrückt genug, um als Unterhaltungsnummer für den reichen Onkel Klapproth herzuhalten. So jedenfalls der Plan seines cleveren Neffen. Der Onkel amüsiert sich zunächst prächtig mit den „Irren“: Psst, Riesenspaß! Doch bald geht Klapproth die vermeintlich durchgeknallte Gesellschaft auf den Geist. Als dann noch die Chaosmacht Liebe kräftig mitmischt, gerät die Komödie außer Kontrolle. Der Schwank-Klassiker, neu im Theatergarten, entfaltet ein Feuerwerk an Witz und Humor, nicht ohne erfrischende Fragen über das Dasein und Sosein aufzuwerfen.

Eine regelrecht neue Identität gewinnen „Die Nibelungen“ in Moritz Rinkes hoch gelobter Bearbeitung. Rinke arbeitet seine Helden lebensnah aus dem alten Stoff „heraus“. Altehrwürdig stehen sie vor uns, dabei heutig und unverbraucht. Sie sprechen in kraftvoller, geschliffener Sprache. Sie würzten schon die Spielzeit 2016 durch eine intensive, neuartige Erzählweise, wie für die Gartenbühne gemacht. Daher treten sie noch einmal an und fordern das Schicksal heraus.

Dada dagegen braucht den Untergang nicht zu fürchten, feierte doch „Familie DADA im Urlaut-Wald“ schon in der vergangenen Spielzeit 100 Jahre ungebrochene Urkraft des Unfugs. Dada war und ist Rebellion, Umbruch-Aufbruch pur, ein rauschhaft radikaler Neubeginn auf den Trümmern der selbstzerstörerischen Moderne. Der Theatersommer experimentiert auch diesmal wieder ganz im Geiste der verrückten Literatur- und Kunstbewegung mit neuen Bezügen: Familie Dada lädt jetzt zu einem erweiterten dadakubistischen Theaterabend ein, zusammen mit „Gertrude & Die Steine des Anstoßes“.
Dieses neue Stück erinnert an Gertrude Stein, Pionierin des kubistischen Schreibens und Entdeckerin unter anderem der Einsicht „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“. Steins ansprechender Humor wirkt stark ansteckend, lockert aber wohltuend das Zwerchfell. Im Kraftfeld der Rondellbühne lautet die Devise „… einfach nur genießen“.

Im Kindertheater verbreiten die beiden Helden Kasper und Seppel mehr Vergnügen, als die Polizei erlaubt. Zwar haben „Der Räuber Hotzenplotz“ sowie der böse Zauberer Zwackelmann den Theaterwald fest im Griff. Denken sie zumindest … Aber weder der mutige Kasper noch Seppel lassen sich von seinem derben Räubergehabe einschüchtern. Im Gegenteil! Der Räuber landet am Ende hinter Gittern und Großmutters Kaffeemühle ist auch wieder da. So bietet die Spielzeit 2017 mal wieder ein zauberhaftes Kinderstück, das schon alle ab 5 Jahren genießen dürfen.

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, kommen Sie in den Theatergarten, erleben Sie neue starke Stücke, die das Zeug haben zum Klassiker von morgen. Lachen, staunen und genießen Sie, erkunden Sie bislang unbekannte Inseln des Vergnügens. Den wolkenlosen warmen Himmel über der Freilichtbühne können wir nicht durchgängig garantieren – einzigartige Theaterabende dagegen sehr wohl. Bis bald im Theatersommer!