„Der Cluss-Garten – ein Platz der Träume“
Irgendwo in der Stadt liegt ein geheimer Garten, ein Platz, der Träume wirklich werden lässt. Ich stehle mich mitten im Winter in den Mikrokosmos, stemme die alte Türe auf und bin in das Wintermärchen des Clussgartens eingedrungen. Da liegt der Garten wie im Schlaf. Im Sommer strömen hier die Menschen ein und aus. In der kalten Jahreszeit kann sich der Garten erholen, und so seinen Charakter bewahren.
Der Name Cluss wird von alten Ludwigsburgern vor allem mit Cluss-Bier und dem Cluss`schen Saalbau in Verbindung gebracht. Die Familie stammt ursprünglich aus Heilbronn. Ein bekannter Cluss ist Adolf, geb. 1825, Revolutionär, Kommunist und Architekt. 1865 wurde die Cluss’sche Brauerei von seinem Bruder August gegründet. In Ludwigsburg entstand eine Zweigniederlassung, ein mächtiger roter Ziegelbau. Bis zu Beginn des 2. Weltkrieges wurde hier Bier gebraut. Während des 2. Weltkrieges nutzte man das Gebäude als Zündholzfabrik, danach stand es leer und verfiel allmählich. Das Anwesen befand sich im Besitz der Geschwister Richard und Gertrud Cluss. Die Geschwister Cluss bauten 1954 den Saalbau zu einem Lichtspielhaus, dem „Scala-Theater“, um. Der Cluss’sche Garten war das Kleinod des Fräulein Cluss. Ein unbezwingbarer Bretterzaun am Rande des Biergartens und eine ständig verschlossene Holztüre verwehrten den Einblick. Hier pflanzte das Fräulein zierliche Buchshecken und pflegte liebevoll ihre Rosen und Tulpenbeete. Das Fräulein starb hoch betagt, worauf Holunder und wildes Brombeergestrüpp in kürzester Zeit den Platz in Besitz nahmen. Die Stadt Ludwigsburg kaufte den Clussgarten, den angrenzenden Biergarten und die inzwischen abgerissenen Brauereigebäude. 1990 bezogen Christiane Wolff und Peter Kratz den Garten mit ihrem Theatersommer. Zusammen mit der Gartenarchitektin Dorothee Batz, die ihr Herz restlos an den wilden Garten verloren hat, gaben sie der Freilichtbühne ihr heutiges Gesicht. Das überall wuchernde Brombeergestrüpp verbarg nicht nur Wege, kleine Rondelle und Lichtungen, sondern auch die einst hingebungsvoll gepflegte, schnurgerade Buchsbaumhecke des Fräulein Cluss.
Das Herz des Gartens besteht auch heute noch aus zwei riesigen Eiben, unter denen eine 100 Jahre alte Holzlaube zum Rendezvous einlud. Sturm Lothar verwandelte 1999 diesen Platz in die heutige Kindertheaterbühne. Der alte Baumbestand ist teilweise bewachsen mit sattem Efeugrün, das die Baumruinen zu bizarren Skulpturen werden lässt. Im Südwesten befindet sich der vermutlich größte Ahornbaum der Innenstadt – schon vom Rathausplatz ist er gut zu sehen. Venus, Adonis und der Eber haben den Garten aus dem Dornröschenschlaf geholt. (Sabine Deutscher in „Treff im Museum 2006 – Lieblingsorte in Ludwigsburg“) Sabine Deutscher ist Ludwigsburgerin seit Geburt und Inhaberin eines Ladengeschäftes in der Innenstadt.

