DER STEPPENWOLFF
von Hermann Hesse
in der Bearbeitung von Joachim Lux
Aufführungsrechte: Suhrkamp Verlag Berlin

Inszenierung: Peter Kratz
Kostüme: Michael S. Kraus
Bühne: Enno Craiss
Regieassistenz: Ruth Süpple

Mit: Tina Eberhardt, Bernadette Hug, Andreas Klaue
Premiere (Wiederaufnahme): Mittwoch, 26. Juni 2019, weitere Vorstellungen bis Fr. 19. Juli 2019 (siehe Spieltermine)

Nur für Verrückte: Dies zeitlos hintersinnige Motto meißelte Hermann Hesse gleichsam ans Eingangsportal seiner Erzählung Der Steppenwolf. Deren titelgebender, wild gespaltener Hauptheld Harry Haller sollte zu einer der großen literarischen Figuren der Moderne aufsteigen, seine Aufzeichnungen zum modellartigen Psychogramm des Heute-Menschen. Karriere hat Harry Haller auch im Theatersommer bereits gemacht, in der einzigen von Hesses Erben genehmigten, nah an den Originaltext angelehnten Bühnenfassung. Aufbauend auf der Idee der Teilung des Helden in zwei Figuren – den Schriftsteller Haller und Harry, sein antibürgerliches Spiegelbild – wagt nun die Neuinszenierung 2019 eine markante Verschiebung der Akzente und bringt definitiv neue Energie ins Geschehen. Zum einen wird die Rebellion weiblich, mit allen Konsequenzen. Es sind jetzt Mann und Frau, die hier in raffinierter Weise mit- und gegeneinander operieren.

An der Seite von Andreas Klaue steht, als Hallers provokante weibliche Egohälfte und „Steppenwölfin“, die zweifach mit dem Darstellerpreis der Schauspielbühnen Stuttgart ausgezeichnete Tina Eberhardt. Der Auftritt dieses vereinten weiblich-männlichen „Ich“ schlägt auch neue Funken in den Beziehungen zu den übrigen Akteuren. Hinzu kommt: Die eigens für die Inszenierung komponierte Musik von John King begleitet zentrale Passagen live und spielt dadurch noch sinnfälliger ins Geschehen hinein. So verbinden sich Klassiker und Experiment durch typische Theatersommer-Magie zum wuchtigen, intensiven Gartenbühnenerlebnis – gewürzt mit viel Spielwitz und befreiendem Lachen, ganz im Sinne des Autors Hesse.

 STORY - INHALT

Harry Haller, ein erfolgloser, einzelgängerischer Schriftsteller mittleren Alters, fühlt sich im Inneren zerrissen. Halb lebt er sein Leben als ständig bedrohte Bauernfigur im Schachspiel der modernen Gesellschaft, halb gefällt er sich als freies Raubtier: als Steppenwolf. Während Haller wie in einem andauernden Angsttraum die Erwartungen der Welt zu erfüllen versucht, begehrt sein anderes Ego gegen Zwänge und Konventionen auf. Harry weigert sich, Grenzen anzuerkennen, feiert die Einsamkeit als asozialen Rausch der Freiheit und favorisiert den schrankenlosen Genuss. Das Einzige, was die beiden Antagonisten zu verbinden scheint, ist ihre existentielle Lage.

Vor diesem Hintergrund umkreisen sie sich in spielerisch-abgründigen Dialogen, vorrangig darauf bedacht, einander bloßzustellen und das Gegenüber seine herausragenden Schwächen und Widersprüche spüren zu lassen. In dieses Oszillieren zwischen Ich und Du, Abhängigkeit und Abscheu, zwischen Hoffnung und Hass bricht plötzlich etwas Neues herein. Ein Engelswesen preist „anarchistische Abendunterhaltung“ an und kennt ein Mittel gegen die irdische Misere, den Humor der Unsterblichen. Doch die Versöhnung mit der bürgerlichen Gesellschaft will Harry-Haller so wenig gelingen wie der radikale Abschied.

Da tritt Hermine in sein Leben. Sie erweist sich als geschickte, ja magisch begabte Dompteuse, die sowohl das schüchterne als auch das wölfische Ego bändigt und um den Finger wickelt. Ganz einfach! Harry und Haller müssen nur Hermines Befehle befolgen. Solchermaßen unter Druck gesetzt, entdecken die beiden eine weitere überraschende Gemeinsamkeit: Schriftsteller wie Steppenwölfe können nicht tanzen. Doch in diesem Punkt ist Hermine zu keinerlei Kompromissen bereit. Und sie hat Verbündete, den Musiker Pablo „Howling Wolf“ und die unwiderstehliche Verführerin Maria. Nach kurzem Zögern legt Haller seine inneren Widerstände ab und fühlt sich zur Belohnung wie neu geboren – um anschließend in ein zerstörerisches Chaos aus Emotionen zu versinken …