Die NIBELUNGEN von Moritz Rinke
Rechte: Rowohlt Theaterverlag
Inszenierung: Peter Kratz
Kostüme: Laura Yoro
Bühne: Enno Craiss
Mit: Nina Maria Föhr, Marius Hubel, Andreas Klaue, Bernhard Linke, Laura Pletzer
Premiere: Mittwoch, 26. Juli 2017, weitere Vorstellungen bis Sa. 05. August 2017 (siehe Termine)

Presse und Publikum haben Die Nibelungen im Premierenjahr 2016 so einhellig mit Applaus bedacht, dass die Helden in dieser Spielzeit gleich schon wieder in den Untergang ziehen. Oder besser gesagt, die Anti-Helden. Denn was dieses Epos zur Mutter aller Heldensagen macht, scheint heute zugleich den Zugang zu verwehren: Die grundvertraute und doch fremde Welt, mit ihren übergroßen Burgunder-Recken, baut sich wie eine Trutzburg vor dem Betrachter auf.

Dass sich diese Festung im besten Sinne dramatisch erobern lässt, beweist jedoch Moritz Rinke mit seiner viel beachteten Bearbeitung. Was will Kriemhild wirklich? Wie entspinnt sich die Dreiecksgeschichte um Siegfried? Rinkes Neufassung ist menschlich dimensioniert, angereichert mit vielschichtigen Figuren und lebensnahen Bezügen. Er gestaltet die Geschehnisse berührend real und würzt sie mit lakonischem Witz. Abgrund und Heiterkeit, Heutiges und Mythisches durchdringen einander. Rinke dynamisiert die Figuren, die ganze Sage durch seine „einzigartige Leichtigkeit“ (John von Düffel) – er tut dies in tragischer, dann wieder ironischer, aber stets poetisch dicht gefügter Sprache: „So gleichermaßen glaubwürdig und abgründig, so ungeheuerlich und gegenwärtig wie in Rinkes Doppeldrama ist die Nibelungen-Sage nie zuvor erzählt worden.“

Eine Vorlage also, wie für Ludwigsburg geschrieben: ein wuchtiger klassischer Stoff – und ein herausragender zeitgenössischer Autor zugleich. Die Nibelungen gewinnen im lebendigen, freundlichen Sommergarten einen neuen Kontext; das Stück darf aufatmen und zieht aus der steinernen Wormser Kulisse ins Licht um. Mehr noch, die Inszenierung nutzt Herausforderungen wie etwa die Massenszenen in kleiner Besetzung auf theatersommerlich-innovative Weise als kreative Chance. Siegfried & Co. entfalten im Theatergarten, unterstützt durch den Heldenversteher Moritz Rinke sowie durch einen Schuss Verrücktheit, nichts weniger als eine erfrischende neuartige, luftig-bodenständig-gaukelnde Erzählweise; das Ergebnis ist ein regelrechter Neuansatz in Sachen narrativer Bühnenlogik.