Ein Schauspiel von Peter Handke
DIE STUNDE DA WIR NICHTS VONEINANDER WUSSTEN
Aufführungsrechte: Suhrkamp Theater Verlag
für den Theatersommer szenisch eingerichtet von Peter Kratz

Regie: Peter Kratz
Bühnenbild: Enno Craiss
Kostümbild: Julia Schnittger

Es spielen: Sergej Czepurnyi, Bernadette Hug, Marius Hubel, Andreas Klaue, Theresa Martini, Lisa Riesner

Premiere: Mi. 23. Juni 2021
weitere Vorstellungen bis 24. Juli 2021

Der Schriftsteller Peter Handke ist seit bald fünfeinhalb Jahrzehnten eine feste Größe in der Gegenwartsliteratur. Handkes Ruhm ebenso wie seine umstrittene Person fanden ihren vorläufigen Höhepunkt im Literaturnobelpreis 2019.

Das aus dem Jahr 1992 stammende Stück entfaltet seinen außergewöhnlichen Charme durch den gänzlichen Verzicht auf Sprache und Dialog. Dieses höchst lebendige und bewegende Schauspiel ist zugleich ein Stück über das Ringen um Verständigung, das ausschließlich auf intensives Körpertheater vertraut. Hier kommt alles auf Humor und Dynamik an, auf Timing und Ausdruck im Augenblick, auf den musikalischen Fluss im präzise getakteten Staffellauf der Begegnungen. 

Ein Bravourstück, wie gemacht für den Theatersommer, genau jetzt: Was ist für uns, in den Zeiten des erzwungenen Abstands, lebenswichtiger als das Miteinander und der menschliche Kontakt? Der zeitlose Anspruch des Stücks, die Anonymität der Figuren finden ihr Gegenstück im üppigen Grün des Freilichttheaters: Der lebendige, frische Theatergarten übernimmt die Rolle des Platzes auf unverwechselbare Weise und kann das Geschehen im besten Sinne erden.

Mit großer Lust auf Verwandlung präsentiert der Theatersommer ein buntes, unterhaltsames Treiben voller Schauwert, zum Genießen, Schmunzeln und sich faszinieren lassen.

 DAS GESCHEHEN

Ein Tag, ein Platz. Ein Kommen und Gehen. Über die Bühne läuft, schlendert, hetzt und scharwenzelt eine scheinbar unerschöpfliche Fülle menschlicher Typen in modellhaften Situationen, mal gewichtig, mal humorvoll, mal anrührend, dann wieder rätselhaft oder abstoßend. Sie bekämpfen oder lieben sich, sie warten oder verfolgen einander. Gibt es einen Sinn, eine Ordnung in all diesen Mikroszenen? 

Selbstbezogene, kontrastreiche Figuren und -paare erinnern an den Beckettschen Minimalismus mit seinen tragikomischen Momenten. Kurze und kürzeste Episoden reihen sich in einem traumähnlichen Kontinuum aneinander, Andeutungen scheinen durch, manche klar und deutlich, andere diffus. 

Wie am Meeresstrand unablässig eine Welle über die andere spült, treten Handkes Figuren ins Licht und verschwinden wieder, einzeln, paarweise oder in Gruppen. Auf der großen Bühnenfläche des Lebens tauchen Frauen und Männer auf, Schöne, Verbrecher, Getriebene, Junge und Alte, Arme wie Reiche.

Allein Licht, Klang und eine wohl ausgewählte Musik modellieren die Wucht der gezeigten Lebensimpressionen jeweils mit. So setzt sich aus kleinen Facetten, in atemloser Geschäftigkeit, ein immer umfassenderes, schillerndes Tableau des Menschlichen zusammen.

„Ein Stück ohne Sprache nur durch das Dasein der Menschen, das Erscheinen, Weggehen, durch irgendwelche Handlungen, ohne pantomimisch zu werden. Ich habe schon den Ehrgeiz, das Theater immer neu zu entdecken und dabei doch die Menschheit zu umfassen.“   – Peter Handke –