ACHTUNG!

Aufgrund einer Corona-Erkrankung im künstlerischen Team haben sich die Produktionszeiträume für die neuen Inszenierungen im Abendspielplan so verschoben, dass wir die Wiederaufnahme der aufwendigen Produktion von DIE STUNDE DA WIR NICHTS VONEINANDER WUSSTEN leider absagen müssen. Bereits gekaufte Karten können auf eine andere Produktion umgebucht oder zurückgegeben werden.


Ein Schauspiel ohne Worte von Peter Handke
DIE STUNDE DA WIR NICHTS VONEINANDER WUSSTEN
Aufführungsrechte: Suhrkamp Theater Verlag
für den Theatersommer szenisch eingerichtet von Peter Kratz

Regie: Peter Kratz
Kostümbild: Julia Schnittger
Bühnenbild: Enno Craiss

Darsteller: Sergej CzepurnyiMarius Hubel, Andreas Klaue, Claudia Roick, Katharina Shakina, Josefine Tancke

Wiederaufnahme: Mi. 27. Juli 2022
Achtung: Nur wenige Vorstellungen bis 6. August 2022

Nach der sehr erfolgreichen Premiere 2021 mit geradezu euphorischen Pressestimmen und einem begeisterten Publikum kommt die fanatsievoll und aufwändig inszenierte STUNDE erneut auf die Bühne: Mit großer Lust auf Verwandlung präsentiert der Theatersommer ein buntes Treiben voller Schauwert, zum Genießen und Inspirierenlassen.

Peter Handke ist seit bald fünfeinhalb Jahrzehnten eine feste Größe in der Gegenwartsliteratur. Schon in seinen Anfängen hat Handke sich gegen den etablierten Literaturbetrieb positioniert. Er wurde nicht müde, mit markanten Worten, ja Provokationen auf sich aufmerksam zu machen. Beides, Handkes Ruhm ebenso wie seine umstrittene Person und öffentliche Position, fanden ihren vorläufigen Höhepunkt im Literaturnobelpreis 2019. Das aus dem Jahr 1992 stammende Stück Die Stunde … ist nun gerade keine Verbalattacke im Stil einer Publikumsbeschimpfung. Vielmehr entfaltet es seine Wirkung gerade durch den Verzicht auf Dialog, durch das reine „Betrachten des täglichen Theaters“ (Handke). Dies besondere Schauspiel ohne Worte ist zugleich ein Stück über das Ringen um Verständigung, das ausschließlich auf intensives Körpertheater vertraut. Hier kommt alles auf Tempo und Rhythmus an, auf Timing und Ausdruck im Augenblick, auf den musikalischen Fluss im präzise getakteten Staffellauf der Begegnungen. Ein Bravourstück, wie gemacht für den Theatersommer, genau jetzt – denn was wäre für uns, in diesen Zeiten, lebenswichtiger als menschlicher Kontakt und Miteinander?

 DAS GESCHEHEN

Ein Tag, ein Platz. Ein Kommen und Gehen. Über die nahezu freie Bühnenfläche läuft, schlendert, hetzt eine scheinbar unerschöpfliche Fülle menschlicher Typen in modellhaften Situationen, mal gewichtig, mal humorvoll, mal anrührend, dann wieder rätselhaft oder abstoßend. Sie bekämpfen oder lieben sich, sie warten oder verfolgen einander. Gibt es einen Sinn, eine Ordnung in all diesen Mikroszenen?

Selbstbezogene, kontrastreiche Figuren und -paare erinnern an den Beckettschen Minimalismus mit seinen tragikomischen Momenten. Kurze und kürzeste Episoden reihen sich in einem traumähnlichen Kontinuum aneinander, Andeutungen scheinen durch, manche klar und deutlich, andere diffus.

Wie am Meeresstrand unablässig eine Welle über die andere spült, treten Handkes Figuren vor die Zuschauer und verschwinden wieder, einzeln, paarweise oder in Gruppen. Auf der großen Bühnenfläche des Lebens tauchen Frauen und Männer auf, Schöne, Verbrecher, Getriebene, Junge und Alte, Arme wie Reiche.

Licht und Klang modellieren die Wucht der gezeigten Lebensimpression jeweils mit. So setzt sich aus kleinen Facetten, in atemloser Geschäftigkeit, ein immer umfassenderes großes Tableau des Menschlichen zusammen. Der zeitlose Anspruch des Stücks, die Anonymität der Figuren finden ihr Gegenstück im üppigen Grün des Freilichttheaters: Der lebendige, frische Theatergarten übernimmt die Rolle des Platzes auf unverwechselbare Weise und kann das Geschehen im besten Sinne erden.