DIE WAND
Nach dem gleichnamigen Roman von Marlen Haushofer,
bearbeitet von Christiane Wolff
Aufführungsrechte bei Ullstein Buchverlage GmbH Berlin

Inszenierung: Christiane Wolff
Kostüme: N. N.
Besetzung:  Inga Kolbeinsson
Premiere (Wiederaufnahme): Sonntag, 24. Juni 2018, weitere Vorstellungen bis Do. 2. August 2018 (siehe Spieltermine)

Spielzeit-Bilanz 2018
„Stadt der Träume“ und „Die Wand“
Ganz hervorragend funktionierte das Experiment, auf der Rondell-Bühne mit „Stadt der Träume“ und „Die Wand“ gleich zwei Stück zu zeigen, die sich mir unserem städtischen Leben auseinandersetzen. Publikum und Presse waren gleichermaßen angetan und alle Vorstellungen konnten stets vor ausverkauftem Haus gespielt werden. Unserer besonderer Dank gilt der Bürgerstiftung und der Stadt Ludwigsburg, die durch eine Sonderförderung im Rahmen der Feierlichkeiten zur 300-jährigen Stadtgründung Ludwigsburgs beide Produktionen ermöglicht haben.

Auch die Wiederaufnahme der Dramatisierung des Romans „Die Wand“ von Marlen Haushofer konnte im Kontext zum Thema „Stadt“ ganz eigene Aspekte beleuchten. Was geschieht wenn ein Mensch nicht mehr städtischer Hektik ausgesetzt ist, sondern ganz allein in der Natur überleben muss? Die Inszenierung von Christiane Wolff ging weit über den Rahmen einer normalen Wiederaufnahme hinaus, da durch den neuen Spielort auf der Rondell-Bühne eine faszinierende Nähe entstand, der man sich nicht entziehen konnte. Aber vor allem punktete die Inszenierung durch das Spiel von Inga Kolbeinsson, die die Rolle übernommen hatte und in der Probenarbeit mit Christiane Wolff noch einmal völlig neu gestaltete. Das Ergebnis: quasi eine Neuinszenierung, die das Publikum von Anfang an in den Bann zog.

Zum Stück
Den Auftakt bildet ein Rätsel. Im Zentrum der Geschichte jedoch steht das einfache Dasein des Menschen – seine Gedanken und Gefühle, sein Tun, sein Schicksal. Eines Morgens, in den Bergen, schließt eine unsichtbare Wand die Erzählerin ein. Sie sieht sich einer unfassbaren Herausforderung gegenüber: dem Überleben in der Natur, isoliert, allein mit einem Hund, einer Jagdhütte und einem Stück Land. Der Daseinskampf fordert ihr die extremsten, hellsten und dunkelsten Gefühle ab und führt sie zu etwas ebenso Neuem wie Ursprünglichem. Jenseits der alltäglichen Ablenkung öffnet sie sich allen Veränderungen und saugt das Hier und Jetzt so intensiv auf wie nie. Diese Inszenierung erzählt vom Phänomen eines wiedergefundenen Bewusstseins – vom Weg aus dem Burn-out in die Pracht der Einsamkeit! Marlen Haushofers 1963 erschienener, außergewöhnlicher Roman musste Jahrzente auf seinen Erfolg warten. Er wurde 2012 Grundlage für einen viel beachteten Film. Mit der Inszenierung 2015 stellte sich Christiane Wolff einer besonderern Herausforderung: DIE WAND kam als erstes Solostück auf die Bühne des Theatersommers. Das Stück lief über die ganze Spielzeit in ausverkauften Vorstellungen.

Stadt denken unter freiem Himmel
Mit „Stadt der Träume“ und „Die Wand“ begibt sich der Theatersommer auf eine spannende Forschungsreise: Die beiden Inszenierungen setzen sich auf theatralisch-humorvolle und poetische Weise mit unserem städtischen Leben auseinander. Das Freilichttheater als Rahmen verstärkt die Wirkung beider Stoffe auf ganz besondere Weise zu einem neuen, intensiveren Theatererlebnis.

Eine weitere interessante Komponente erhält das Theaterprojekt durch die unterschiedlichen inszenatorischen Handschriften der beiden Regisseure und künstlerischen Leiter des Theatersommers, Christiane Wolff und Peter Kratz.

 STORY - INHALT

INHALT
Eine Frau ist mit Verwandten in die Berge gefahren. Während das Ehepaar hinunter ins Dorf geht, zieht die Frau es vor, in der Jagdhütte zu bleiben. Als ihre Gastgeber nicht zurückkehren, macht sie sich auf die Suche und stößt auf ihrem Weg an ein unsichtbares Hindernis. Jeder Versuch, dieses Etwas zu durchbrechen, scheitert. Komplett auf sich zurückgeworfen, stellt sich die Heldin dem Überlebenskampf in der Abgeschiedenheit der Natur und öffnet sich einem erstaunlichen Selbstfindungsprozess. Zu ihren Gefährten – dem Jagdhund Luchs, der Kuh, der Katze – entwickelt die Heldin eine tiefe, reine Liebe. Sie leidet aber auch unter der neuen Verantwortung. Das Annehmen des Daseinskampfes löst radikales Nachdenken aus und eröffnet ihr die Möglichkeit, den Sinn ihres Lebens neu zu empfinden. Sie überlässt sich allen Lebensgefühlen, von Verzweiflung und Angst bis zu hingebungsvoller Liebe; sie akzeptiert die harte Arbeit. „Etwas Neues wartete hinter den Dingen“: Eines Tages ist der Schnee der Schnee, die Sterne sind die Sterne, die Freude die Freude. Sie selbst aber ist sie selbst, verbunden mit allem zu einem großen Wir, ein Dasein im Frieden – nicht mehr und nicht weniger.