FAuST:: Mein Brustkorb: Mein Helm.
Ein Cover-Drama von Werner Schwab nach Goethes „Faust“.
– Prädikat: denkanstößig –
Aufführungsrechte beim S. Fischer Verlag THEATER & MEDIEN
Altersempfehlung: ab 16 Jahre

Inszenierung: Peter Kratz
Kostüme: Pina Sophia Starke
Bühne: Enno Craiss
Mit: Bernadette Hug, Bernhard Linke, Andreas Klaue, Christine Last, Stefan Roschy
Premiere: Mittwoch, 13. Juni 2018, weitere Vorstellungen bis Fr. 27. Juli 2018 (siehe Termine)

Spielzeit-Bilanz 2018
„Faust:: Mein Brustkorb: Mein Helm“
Der Theatersommer 2018 begann mit einem Paukenschlag, denn die Inszenierung von Werner Schwabs „Faust“ spaltete das Publikum. Es war schon bei der Stückauswahl klar, dass bei einem Autor wie Werner Schwab mit kontroversen Meinungen zu rechnen ist. Denn Schwab war schon zu seiner Zeit, Anfang der Neunziger, ein Repräsentant eines Theaters, das sich ganz direkt mit der bürgerlich geprägten Theaterkultur anlegte und mit einer drastischen Sprache provozierte. Auch wenn es kritische Stimmen gab, setzte sich die deutliche Mehrheit des Publikums, auf interessierte und positive Weise, mit der von rasantem Humor, assoziativen Sprachspielen und sinnlichen Theatermomenten geprägten Inszenierung auseinander. Ebenso positiv sich äußerte sich die Presse, die vor allem das virtuose Ensemble hervorhob und es völlig zurecht als eines der Homogensten in der Geschichte des Theatersommers lobte. Auch die Zuschauerzahlen mit ca. 2.700 Besuchern ließen am Ende, trotz Fußball-Weltmeisterschaft, nichts zu wünschen übrig. Besonders erfreulich war die Resonanz bei den Schulklassen. Der durchschnittliche Anteil von Schülern erhöhte sich von ca. 3,5 % auf 15%, die die Aufführung von „Faust“ besuchten.

Zum Stück
Gäbe es einen Guinness-Eintrag für die stärkste Präsenz auf deutschen Bühnen: Unser aller Ur-Doktor Faust dürfte wohl auf ihn hoffen, er müsste den Rekord höchstens mit Mephisto teilen. Doch Faustens Welt hat sich gewandelt. Verlangen nach Erkenntnis, Seelenhandel? Die Sterblichen von heute hegen andere Zweifel, verfolgen andere Absichten. Da kommt es gelegen, wenn ein begnadeter Gegenwarts-Dramatiker den Fauststoff einmal gründlich renoviert. Der Österreicher Werner Schwab (1958 geboren, 1994 zu früh gestorben) hat die Theaterwelt bereits in den Neunzigerjahren kraftvoll umgekrempelt. Mit stets neuen Provokationen setzt er sich – ewig strebend! – von sämtlichen Traditionen und Schemata ab, auch von den gängigen moderneren. Naturalismus, Surrealismus? Dada? Schwab passt in keine Schublade. Seine Originalität entfaltet der eigenwillige Autor insbesondere durch einen glühenden, energiegeladenen, impulsiven, radikalen, bisweilen wüsten Sprachstil. Schwab erfindet seine Sprache für diesen Zweck regelrecht neu: „Ich behandle Sprache wie ein Bildhauer“. Er zündet Wortfeuerwerke und schafft dichtgefügte, assoziative Sprachbilder, drückt jedem Dialog seinen unverwechselbaren Stempel auf.

Dieses „Schwabische“ liebt abrupte Richtungswechsel, tänzelt zwischen assoziativen Höhenflügen und bodentief derben Tonlagen hin und her, schwelgt bald in Sprachwitz, bald in abgründigen, apokalyptischen Metaphern. Der Autor zielt auf drastische Wirkungen ebenso wie auf unterschwelligen Nachhall. Der Sprachkünstler Werner Schwab ist provokant aus Leidenschaft, beleuchtet grell und kommt gern knallhart auf den Punkt. Wie sehr sein Stil elektrisiert und fesselt, beweisen die begeisterten Reaktionen des Publikums in Graz, wo der wortgewaltige „Faust“ posthum 2017 vor Kurzem seine furiose Erstaufführung erlebte. Ein Klassiker im schlagend neuen Look also, der wie von selbst in den Theatersommer strebt.

 STORY - INHALT

Der Faust 2.0 von Werner Schwab folgt den Hauptlinien des Goetheschen Dramas, das er auf insgesamt zehn Szenen komprimiert. Zentraler Ort der gestrafften Handlung ist das Studierzimmer. Schwab konzentriert sich auf die essentiellen Elemente der Handlung, mehr noch auf Grundkonstellationen und archteypische Spannungsfelder. Das reduzierte Personal besteht aus den bekannten Hauptfiguren, allerdings mit jeweils verändertem, modernisiertem Profil. So mausert sich das kindlich-schüchterne Gretchen zur reifen Frau: „Als kleines Mädchen hieß ich Gretchen. Jetzt bin ich Margarethe und kein Mädchen mehr.“ Sie entfaltet sich selbstbewusst und nimmt es sich heraus, Faust abblitzen zu lassen, aber dafür ein Auge auf Mephisto zu werfen – besitzt er nicht viele Vorzüge gegenüber dem gealterten Doktor? Faust wiederum, magnetisch angezogen von Weiblichkeit und Alkohol, begegnet seinem jungen Ich und gerät in einen heftigen Disput mit sich selbst. Valentin tritt nicht als Gretchens Bruder, sondern als waschechter Konkurrent auf, es kommt zu tumultartigen Szenen … Der dramatische Erzählstil spart weder mit Witz und saloppen Reimen noch mit Grobheiten. Die gewohnt spielfreudige, ideenreich gewürzte Inszenierung des Theatersommers sorgt dabei für zahlreiche Überraschungen – sowie, nicht selten, für mephistophelische Momente mit faustischem Hoppla-Effekt.