Frankenstein von Nick Dear nach dem Roman von Mary Shelley
Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, im Auftrag von Rosica Colin Limited, London
(Die Uraufführung von Nick Dears FRANKENSTEIN war am 5. Februar 2011 am National Theatre, London.)

Inszenierung: Peter Kratz
Kostüme: Laura Yoro
Mit: Nina Maria Föhr, Marius Hubel, Andreas Klaue, Laura Locher
Premiere: Mittwoch, 21. Juni 2017, weitere Vorstellungen bis Sa. 22. Juli 2017 (siehe Termine)

Vom Klassiker zum Bühnenhit: Mary Shelley setzte mit ihrem Roman von 1818 ein Wesen in die Welt, das bis heute große Erfolge feiert. Ihrem Stoff, mit der modernen Wissenschaft aktueller geworden denn je, hat der bekannte Bühnenautor Nick Dear eine besondere Wendung abgewonnen. Sein Frankenstein, in London bejubelt und monatelang ausverkauft, kommt nun nach Ludwigsburg. Anders als üblich dominiert die Sichtweise des Wesens. Durch diesen Kunstgriff verliert es einen Teil des Schreckens, seine Motive und Ziele werden auf grausame Weise nachvollziehbar. Wir beobachten ein innerlich zerrissenes Geschöpf, das im Zeitraffer die Menschwerdung durchläuft und uns im Guten wie im Bösen den Spiegel vorhält. Wir erkennen uns in seiner Wut, seinen Rachegelüsten und seinem Zerstörungstrieb ebenso wieder wie in seinem Verlangen nach Anerkennung, Gerechtigkeit und Vertrauen. Victor Frankenstein und sein Alter Ego bilden ein gleichsam Beckettsches Paar: Sie trachten einander nach dem Leben, bleiben aber untrennbar verbunden und sind auf Gedeih und Verderb voneinander abhängig. Das Bedürfnis nach Liebe schließlich – wie tragisch und absurd sie auch in Erscheinung tritt – erweist sich als eine immer mächtigere Triebfeder.

Im Theatersommer fällt dieser Frankenstein auf einen idealen Nährboden. Konzentriert und mit kleinem Ensemble inszeniert, atmet das Stück im Theatergarten auf typische Weise Freilichtluft. Vier Schauspieler wechseln einander in der Rolle des Wesens ab, um es mit individuellen Qualitäten zu bereichern. Die unterschiedlichen Natur-Schauplätze treten in fantasievollen Dialog mit der Gartenbühne, während ein eigens kreierter Sound förmlich nach dem Zuschauer greift. So entfaltet sich Frankenstein als Erlebnis, das alle Sinne anspricht.

 STORY - INHALT

Ingolstadt, Anfang 19. Jahrhundert. Aus dem Labor des Wissenschaftlers Victor Frankenstein bricht ein Wesen aus, das er kurz zuvor in einsamen Versuchen erschaffen hatte. Das Wesen findet auf der Flucht Unterschlupf bei einem freundlichen Ziehvater. Es lernt schnell und begierig, nimmt menschliche Verhaltensweisen an, zeigt sich hilfsbereit. Es stellt Fragen, verlangt moralische Integrität und träumt von der Liebe. Als es jedoch unerwartet Ablehnung erfährt und vertrieben wird, nimmt es wütend und erbarmungslos Rache. Auch der Versuch des Wesens, Victors kleinen Bruder William zum Freund zu gewinnen, scheitert tragisch; er verschleppt und tötet den Jungen.

Victor lebt derweil nur für seine Wissenschaft. Launisch und verwahrlost, zieht er sich selbst vor seiner Braut Elizabeth zurück. Auf der Jagd nach dem Mörder seines Bruders verfolgt er das Wesen bis in die Berge, wo Victor im Zweikampf ebenso unterliegt wie im moralischen Disput. Das Wesen ist inzwischen ein gebildeter Mensch geworden. Er will gut sein, fühlt sich aber von Frankenstein verraten und verlassen. Nun dreht er den Spieß um, erpresst den Forscher und fordert, Frankenstein solle ihm eine Frau erschaffen. Frankenstein muss dafür nach England, wo das Werk tatsächlich gelingt.

Doch Frankenstein kommen Zweifel über die mögliche Nachkommenschaft seiner Geschöpfe. Bevor das Wesen die ihm versprochene Retorten-Partnerin holen kann, hat Frankenstein sie vernichtet. Das Wesen, verzweifelt, schwört Rache. Am Tag von Frankensteins Hochzeit scheint die Geschichte eine überraschende Wendung zu nehmen. Victor will Elizabeth in die Geheimnisse seiner Wissenschaft einweihen, doch sie glaubt ihm nicht. Am Abend schleicht sich das Wesen an Frankensteins Braut heran und bringt sie in seine Gewalt – um sich ihr anzuvertrauen. In der Klage über Frankenstein, so scheint es, haben die beiden etwas gemeinsam …