Im Weißen Rössl am Ludwigsee
nach dem Alt-Berliner Bühnenstück „Im Weißen Rößl“ von Oscar Blumenthal
Für den Theatersommer bearbeitet von Peter Kratz

Inszenierung: Peter Kratz
Kostüme: Laura Yoro
Bühne: Enno Craiss
Mit: Bernadette Hug, Nina Maria Föhr, Bernhard Linke. Christine Last, Jens Woggon
Premiere: Mittwoch, 1. August 2018 weitere Vorstellungen bis So. 8. September 2018 (siehe Spieltermine)

Spielzeit Bilanz 2018
„Im Weißen Rössl am Ludwigsee“
In der Gestaltung des Spielplans 2018 kam der Produktion von Anfang an eine ganz besondere Bedeutung zu, musste sie doch im Kontext zu den künstlerisch sehr anspruchsvollen Produktionen, auch in wirtschaftlicher Hinsicht unbedingt ein Erfolg werden. Es gab also von Anfang an einen großer Erwartungsdruck, dem es gerecht zu werden galt. Umso erleichternder war es dann, dass die Produktion gleich mit der Premiere die Herzen der Zuschauer im Sturm eroberte. Unterstützt von einem geradezu euphorischen Presseecho begeisterte die Genderversion des etwas angestaubten Bühnenstücks von Oscar Blumenthal von Anfang an das Publikum. Die Idee aus dem Stück eine schräge Persiflage mit Tiefgang und witzigen Interpretationen von Schlagern aus den Siebzigern zu machen funktionierte hervorragend. Besonders erfreulich war auch, dass die Inszenierung als ein Plädoyer für Toleranz in der gerade so aktuellen Diskussion um Geschlechterrollen verstanden wurde. Neben der überzeugenden Konzeption verdankt die Inszenierung ihren Erfolg auch einem grandiosen Ensemble, das jeden Abend mit rasanten Rollenwechsel und überzeugenden Figuren restlos überzeugte. Mit beinahe 6.000 Besuchern steht „Im Weißen Rössl am Ludwigsee“ gleich in der ersten Saison ganz weit oben in der Liste der Bestenliste und darf schon jetzt als Theatersommer-Klassiker bezeichnet werden. Wiederaufnahme in den nächsten Jahren nicht ausgeschlossen…

Zum Stück
Sein erfolgreichstes Stück: Das Original-Lustspiel „Im Weißen Rößl“ schrieb der Berliner Autor und Kritiker Oscar Blumenthal in der Sommerfrische in Bad Ischl, 1897. Die Alt-Berliner Komödie voll alpenländischer Folklore machte Weltkarriere – als Theaterstück, später vor allem als Operette in mehreren Fassungen . Darüber hinaus hat es der Rößl-Stoff nicht weniger als sieben Mal auf die Kinoleinwand geschafft, von einem Stummfilm 1926 bis hin zur deutschen Neuverfilmung 2013. Wurde die Story schon seit jeher als Spiel mit alten Klischees von Land und Großstadt verstanden, so erhöht der Theatersommer nun noch einmal die Drehzahl. Er präsentiert eine energiegeladene Persiflage, die genüsslich überkommene Moralvorstellungen, Gefühlsduselei und Heimatfilmseligkeit auseinandernimmt. Gerade der Hintergrund einer operettenhaft selbstzufriedenen heilen Welt liefert Steilvorlagen für entlarvende Kommentare und zusätzliches Lachpotential. Nicht zuletzt bricht die turbulente Komödie auch buchstäblich zu neuen Ufern auf und sagt dem Wolfgangsee Adieu. Recherchen des Theatersommers haben ergeben, dass es in Ludwigsburg, zwischen Schulen und Akademien, einst einen See gab – und unweit dieses Ludwigsees ein altes Brauerei-Gasthaus, mit großem Garten … So kann nun genau hier das ursprüngliche Bühnenstück mit seinen drei Liebesgeschichten in neuem Gewand auftrumpfen: Küss‘ die Hand unter freiem Himmel!

 STORY - INHALT

Die ebenso attraktive wie resolute Wirtin des Weißen Rössl, Josepha Vogelhuber, ist seit drei Jahren Witwe. Zu lange, findet sie, und hat auch schon ein Auge auf Dr. Siedler geworfen. Der ist ein gern gesehener Stammgast, genießt die Vorzugsbehandlung und fühlt sich der Rösslwirtin durchaus zugetan. Während Josepha dem Anwalt schöne Augen macht, zeigt sie ihrem Kellner Leopold, der verzweifelt für die Chefin entflammt ist, beständig die kalte Schulter. Als der von Eifersucht geplagte Leopold zu allem Überfluss Dr. Siedler einen Blumengruß überbringen soll, weigert er sich und wird entlassen. Zuvor schafft er es jedoch mit Hinterlist, in Dr. Siedlers Lieblingszimmer Gäste einzuquartieren, die früher eintreffen: den Berliner Fabrikanten Giesecke samt Schwester und Tochter. Der breitspurig auftretende Giesecke will das Zimmer um keinen Preis räumen. Zumal er in Dr. Siedler ausgerechnet den verhassten, weil erfolgreichen Anwalt erkennt, der seinem Fabrikanten-Konkurrenten Sülzheimer juristisch zum Sieg verholfen hat. Rechtsanwalt Dr. Siedler wiederum kann schon aus Gründen der Standesehre nicht nachgeben, beharrt vielmehr auf zugesichertem Recht – bis sein Blick auf Gieseckes Tochter Ottilie fällt.

Kehrtwendung, ganz neue anwaltliche Strategie! Leider jedoch verfolgt Vater Giesecke bezüglich Ottilie andere Absichten. Er möchte mit ihrer „Hilfe“ den leidigen Rechtsstreit auf die reizendste Weise zu seinem Vorteil wenden. Denn Prozessgegner Sülzheimer hat einen Sohn, der Giesecke als überaus passende Patent-Partie für Ottilie vorschwebt. Als Sülzheimer junior eintrifft, ist im Weißen Rössl kein Platz mehr frei. Nun läuft Dr. Siedler zur Hochform auf, noch nie waren gute Plädoyers so entscheidend! Bei derart vielen anspruchsvollen Gästen braucht die Wirtin den hinausgeworfenen Kellner dringend zurück, jedoch in anderer Funktion …

Oscar Blumenthals Komödie mit den drei Liebesgeschichten blüht am Ludwigsee, im Theatersommer, zeitlos auf. Sie lebt auch hier von den erfrischenden Kontrasten zwischen österreichischem Charme, Berliner Schnoddrigkeit und jeder Menge an doppeldeutigem Hintersinn. Außerdem lebt sie, wie zu erwarten, von mitreißender Musik – aber einer operettenfreien, modernisierten Auswahl. Die geht buchstäblich eigene Wege und sorgt auch auf dieser Ebene für schnell getaktete Überraschungen.