König Lear
von William Shakespeare
Übersetzung und Bearbeitung von Thomas Melle
Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag

Regie: Peter Kratz
Kostüme: Lisa Nickstat
Bühne: Enno Craiss

Darsteller: Kristin Hansen, Marius Hubel, Andreas Klaue, Bernhard Linke, Claudia Roick

Premiere: Mi. 22. Juni 2022
weitere Vorstellungen bis 31. Juli 2022

Wie werden alt verdiente Shakespeare Klassiker im Hier und Heute zum Leben erweckt?

Man wähle zuerst einen wortstarken, dabei bühnenfesten und genau deswegen gefeierten Übersetzer wie Thomas Melle. Übersetzen heißt bei ihm: Herholen. Fitmachen für unsere Zeit, Update, Neustart in eine junge, freche aber auch gewaltige Sprache! Melles frischer Lear bleibt Shakespeare durchaus treu, gibt ihm jedoch eine rebellisch moderne Power voller Biss und Witz. Bei ihm nehmen die Töchter die Sache in die Hand.

Los geht’s, die Männer stürzen, allen voran den Herrn Vater. Bloß nicht zu zaghaft, wenn man eine gerechte Gesellschaft will! Schon stecken wir im Machtkampf, gewürzt mit Lug und Trug, Sarkasmus und der Sehnsucht nach dem Paradies. Es treten in schwertscharfen Dialogen an : Jung gegen Alt, Weiblich gegen Männlich; es lassen grüßen diverse Staatschefs, Konzerne-Lenker und Akteure aus dem Bekanntenkreis.

So weit, so dynamisch?Im Theatersommer geht noch mehr. Übermutig, munter doppelt besetzt  und mit vertauschten Geschlechtern nimmt ein turbulentes Treiben seinen Lauf. Gloucester,  Frau Gräfin!, wird von einem Mann gespielt. Goneril und Regan verschmelzen zur Zwillingsschwester-Einheit, ihr Kampfruf lautet „Jetzt wird eskaliert.“ Das lässt Raum für pointierten Schlagabtausch, amouröse Intrigen und eine ordentliche Portion schwarzen Humor. Zwei Narren sind präsent, mit Spott und schonungsloser Offenheit. Am Ende siegt – auf jeden Fall die Überraschung, und immer behalten diese Drei die Oberhand: Tempo, Ironie und Spaß am Spiel.

 Story – Inhalt

DAS GESCHEHEN

König Lear dankt ab, so hat er selber es beschlossen. Würdevoll, geliebt, hofiert!

Seine Töchter Goneril und Regan machen ihm einen Strich durch die königliche Rechnung: Der alte Patriarch muss weg, schnell und komplett. Nur sein Reichtum darf gerne bleiben! Daher täuschen die Beiden ein letztes Mal tiefe Tochterliebe vor, ein schönes Erbe winkt sowie die Freiheit, Gleichheit, eine gute Welt. Die dritte Schwester, Cordelia, liebt den Vater wirklich, jedoch ohne ihm zu schmeicheln. Lear gerät in Zorn und enterbt sie, Cordelia muss ins Exil.

Derweil nimmt das Unheil seinen Lauf, Goneril und Regan wollen endlich Schluss machen mit der Herrschaft des Alten. Mehr Macht begehrt auch Edmund, unehelicher Sohn der Gräfin Gloucester, denn sein verhasster rechtmäßiger Bruder Edgar steht ihm schon lange im Weg. Die Gräfin lässt sich von Edmund übel täuschen und verstößt, ganz wie Lear, ihr treues Kind. Überdies gerät die moderate Gloucester ins Visier der skrupellosen Schwestern Goneril und Regan, sie wird geblendet.

Lear, der alles verloren hat, irrt durch die unwirtliche Heide. Bastard Edmund umgarnt die Königstöchter und umgekehrt. Verrat und Eifersucht brechen sich Bahn. Am Horizont zieht Krieg auf. Cordelia ist zurück. Daheim spitzen sich die Dinge zu, bis die Zahl der Akteure dramatisch abnimmt – und doch schließlich wieder alles möglich scheint!