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Rambazamba in der Villa
Diana Gantner feiert mit „Pippi Langstrumpf“ beim Theatersommer ein gelungenes Regiedebüt

LUDWIGSBURG. Zum 20. Jubiläum des Kinder- und Familientheaters beim LudwigsburgerTheatersommer sollte auch der Generationenwechsel eingeleitet werden. Co-Intendantin Christiane Wolff, die für all die wunderbaren Inszenierungen der letzten 19 Jahre, die tausenden von kleinen und großen Zuschauern so viel Freude beschert haben, verantwortlich ist, will sich etwas zurückziehen. Und Diana Gantner, die in vielen Produktionen dieser spannenden Reihe tragende Rollen gespielt hat, soll nun die Regie übernehmen.

Ein gelungenes Regiedebüt, eine herrliche Produktion, ein perfekter Stabwechsel, der dabei dann am Samstagnachmittag bei der Premiere von „Pippi Langstrumpf“ zu sehen war. Christiane Wolff hat noch die szenische Einrichtung von Astrid Lindgrens Welterfolg besorgt, Diana Gantner wurde also nicht ins kalte Wasser geworfen, der Übergang funktioniert nahtlos und schafft auch unter den erschwerten Bedingungen der Zeit ein wunderschönes Stück, an dem sich auch auf den wegen der Hygieneauflagen dünner als üblich besetzten Zuschauerbänken eine prächtige, fröhliche Stimmung ausbreitet. Natürlich ist der Stoff dankbar, diese ewig junge Geschichte des anarchistischen, starken, unabhängigen Mädchens Pippi Langstrumpf, das alleine in der Villa Kunterbunt mit seinem Pferd „Kleiner Onkel“ und dem Affen „Herr Nilsson“ lebt. Eine zeitlose Geschichte, die bis heute Generationen von Kindern begeisterte und weiterhin begeistern wird.

Diana Gantner inszeniert, wie man sie auch als Schauspielerin kennt: temperamentvoll, direkt, lebhaft, manchmal überquellend, mit ständiger Action auf der Bühne. Und so ist auf dem Platz vor der Villa Kunterbunt, aus der immer wieder auch der „Kleine Onkel“ herausschaut, allerhand geboten. Leif Erik Heine hat wunderschöne Kostüme und ein fantasievoll-funktionales Bühnenbild entworfen, das Gantner mit ihrem vierköpfigen Ensemble herrlich lebhaft bespielt. Immer ist irgendetwas geboten, ständig gibt es spannende Ereignisse und Wendungen zu verfolgen, wenn die Nachbarskinder Annika und Thomas auf Pippi treffen.

Absoluter Volltreffer: Farina Violetta Giesmann in der Hauptrolle. Und in der Titelrolle hat man mit Farina Violetta Giesmann, die schon im letzten Jahr zum Ensemble gehörte, einen absoluten Volltreffer gelandet. Da braucht es gar keine großen maskenbildnerischen Tricks, da muss man gar nicht die Film- und Zeichenfigur der Pippi sklavisch äußerlich kopieren, Giesmann ist eine eigenständige Pippi, die aber die Rolle mehr als voll ausfüllt, ihr ein eigenes Gepräge gibt, welches es auch ermöglicht, dass diese Theaterfassung von Christian Schönfelder, Dramaturg am Jes in Stuttgart, ihre eigene Dynamik entwickelt. Dabei lässt sich die einfallsreiche Diana Gantner auch nicht von den Corona-Auflagen bremsen, im Gegenteil, über die lebhaften Kindertheaterszenen hinaus baut sie auch durchaus ironisch Anspielungen darauf ins Stück ein. So besitzt ihre Pippi einen „Abstandsarm“, die hysterische Gouvernante vom Waisenverein kreischt öfters mal „Abstand“ und auch der Ringkampf Pippis mit dem Schwerathleten aus dem Zirkus bekommt durch das Abstandsgebot eine ganz eigene Komik. Gut gemacht von der Regie und gut gemacht von den Akteuren. Stefanie Friedrich als Annika sowie in einigen Nebenrollen erweist sich erneut als solides, langjähriges Mitglied des Ensembles, ebenso wie Tri-Bühne-Star Christian Werner, der einmal mehr seine frappierende Vielseitigkeit in diversen Rollen beweist, die er mit seiner hohen Wandlungsfähigkeit jeweils mit ganz unterschiedlichen Facetten belegt. Und auch Lukas Spitzenberg fügt sich als Thomas und in anderen Rollen nahtlos in dieses homogene, spielfreudige Ensemble ein, mit dem Diana Gantner auf vielen Ebenen zu überzeugen weiß, so dass Begeisterung und Beifall am Ende kaum merken lassen, dass die Bänke nur nach der mit Abstandsregel besetzt sind. Dieses Stück wird mit Sicherheit noch vielen weiteren Zuschauern Freude bereiten.  VON ARNIM BAUER / Ludwigsburger Kreiszeitung