Durch die magische Stadt – Der Ludwigsburger Theatersommer setzt einen weiteren Höhepunkt in dieser Saison
Peter Kratz hat auf dem unerschöpflichen Webstuhl seiner Fantasie drei Fäden zu einem einzigen versponnen, der an Buntheit, an geistiger Erfrischung, an Spaß und Freude wie an Nachdenklichkeit kaum zu übertreffen ist. (…) Da sind die unterschiedlichen Erzählebenen, die die Hauptfigur des Regisseurs Fellini – man weiß bald kaum noch, ob in der Traumwelt des Regisseurs oder in der Realität der Bühnenerzählung – durch manches rätselhafte Abenteuer in einer menschenleeren Stadt führen, in der nach und nach die Tauben das Geschehen diktieren.(…) Und zwischen profanen, aber geheimnisvollen, ja magischen Tauben und der Beklemmung einer leeren Stadt notiert sich dieser Fellini durch seine Welt, die schnell auch die des Zuschauers wird. Andreas Klaue zeigt wieder einmal, dass er einfach der Schauspieler ist, der die markanten Figuren, die Kratz schafft, zu einem wie selbstverständlichen Dasein erwecken kann, und sei es auch noch so skurril und mystisch. Als Muse, als Geliebte, als gutes und schlechtes Gewissen dieses Federicos gelingt es auch Anja Barth, unglaublich wandlungsfähig, Gegensätze und Reibungsflächen zu schaffen. So passen die Figuren, die wunderbar ergänzt werden durch jede Menge schön nachgebildete Tauben, und der Zuschauer hat keine Mühe, da dicht dabei zu sein in dieser urbanen Neurose, in dieser Welt der absurden, aber nicht unmöglichen Möglichkeiten, in diesem tiefen Nachdenken, das aber mit Humor und Poesie geschieht. Es fällt leicht, sich einzulassen auf Fragen wie etwa die, was eine Stadt eigentlich ausmacht, was sie prägt, welche Möglichkeiten sie bietet, aber auch, wie sie zum Alptraum werden kann. -LKZ-

Ein detailverliebtes Stück voller Poesie, düster, nachdenklich, tragisch, aber auch komisch und auf ganzer Linie unterhaltsam
Mit Witz und überzeugender Mimik agieren die beiden Akteure. Geschmeidig bewegen sie sich durch ihr Meer von Requisiten. Viel liegt da rum, aber wird auch geschickt in die Handlung verwoben: Hüte, Mäntel, Springbrunnen, Boccia-Kugeln, die mit einem lauten Knall auf den Holzboden krachen. Anita, die zu Beginn zwischen den Streben des Ludwigsburg-Grundrisses wie eine Spinne ihre Fäden spannt – graue, blaue, rote Fäden, die zwischenmenschliche Beziehungen darstellen, wie sie sagt – verwandelt sich zunehmend in eine Taube, ja eine ganze Schar von Tauben, die dem verlassenen Regisseur auf die Pelle rücken. Anita führt wilde Tauben-Tänze auf, gurrt, der Kopf schnallt vor und zurück. Und auch die Stadt Ludwigsburg setzt ein, synchronisiert sich mit dem Geschehen auf der Bühne des Theatersommers: Die Vögel im Cluss-Garten zwitschern, unterstützen die gurrende Anita lautstark. Am Schluss taucht sie wieder hinter Fellini ab, seine Filmdiva versinkt wieder, und er schläft. Doch alles nur ein Traum? (…) Ein detailverliebtes Stück voller Poesie, düster, nachdenklich, tragisch, aber auch komisch und auf ganzer Linie unterhaltsam. Alleine Ornitophobiker sollten sich von dem Stück lieber fernhalten, denn die Tauben sind omnipräsent. -Bietigheimer Zeitung-