Der Theatersommer Ludwigsburg 2018

Perfektes Sommerwetter – Zuschauerrekorde – künstlerische Erfolge Was für ein Sommer!
Ein wochenlanges meteorologisches Hoch und ein ebenso anspruchsvolles wie abwechslungsreiches Programm brachten dem Theatersommer in der Spielzeit 2018 gleich zwei tolle Rekorde ein: Mit insgesamt ca. 17.684 Besuchern erzielte der Theatersommer das beste Ergebnis in seiner nunmehr 28-jährigen Geschichte und auch im Kinder/Familientheater-und Schultheater war mit rund 7.843 Zuschauern die bislang größte Resonanz zu verzeichnen.
Im Vergleich zur letzten Spielzeit entspricht dies einer Steigerung von ca. 15 % insgesamt und einem Zuwachs von mehr als 30 % beim Kinder/Familien- und Schultheater. Von den 125 angesetzten Vorstellungen mussten bisher nur insgesamt 11 Vorstellungen wegen schlechtem Wetter abgesagt werden. Leider fielen die Temperaturen zum Ende der Saison deutlich, sonst wäre das Ergebnis noch besser ausgefallen.

Wohl noch nie zuvor präsentierte der Theatersommer einen so vielschichtigen, überraschenden und engagierten Spielplan wie in der gerade abgeschlossenen Saison 2018. Und hat damit wieder einmal bewiesen, dass man auch im Freilichttheater experimentelle und ungewöhnliche Theaterprojekte realisieren kann, wenn man das Publikum mitnimmt. Das künstlerische Spektrum der Spielzeit 2018 war mit sechs Produktionen so breit gefächert wie selten zuvor.

Die drei Neuinszenierungen hätten unterschiedlicher nicht sein können. Auf einen provokanten „Faust“ folgte mit „Stadt der Träume“ eine poetische Reise durch surreale Stadtlandschaften. Und zu guter Letzt sprengte die frivole Genderversion vom „Weißen Rössl am Ludwigsee“ alle Rekorde und sorgte jeden Abend für wahre Beifallsstürme. Aber auch die überarbeiteten Wiederaufnahmen von „Die Wand“ auf der Rondell-Bühne sowie „Kalle Blomquist“ und „Urmel aus dem Eis“ im Kindertheater konnten noch einmal ganz neue Akzente setzen und begeisterten Jung wie Alt. Und so war auch nach 28 Jahren der Zuspruch ungebrochen – und dem Wachstum schienen bei perfektem Wetter und einem abwechslungsreichen Spielplan keine Grenzen gesetzt. Der Theatersommer im Herzen von Ludwigsburgs blickt damit auf eine rundum erfolgreiche Saison 2018 zurück und bestätigt einmal mehr das Credo: Auch unter freiem Himmel kann Theater mit einer ausgewogenen Balance zwischen Unterhaltung, Kunst und Anspruch ein breites Publikum quer durch alle Altersgruppen ansprechen.

Im nächsten Jahr will der Theatersommer den künstlerischen Kurs halten und mit kreativer Lust neue Stoffe erobern.

Die einzelnen Produktionen der Spielzeit 2018

„Faust:: Mein Brustkorb: Mein Helm“
Der Theatersommer 2018 begann mit einem Paukenschlag, denn die Inszenierung von Werner Schwabs „Faust“ spaltete das Publikum. Es war schon bei der Stückauswahl klar, dass bei einem Autor wie Werner Schwab mit kontroversen Meinungen zu rechnen ist. Denn Schwab war schon zu seiner Zeit, Anfang der Neunziger, ein Repräsentant eines Theaters, das sich ganz direkt mit der bürgerlich geprägten Theaterkultur anlegte und mit einer drastischen Sprache provozierte. Auch wenn es kritische Stimmen gab, setzte sich die deutliche Mehrheit des Publikums, auf interessierte und positive Weise, mit der von rasantem Humor, assoziativen Sprachspielen und sinnlichen Theatermomenten geprägten Inszenierung auseinander. Ebenso positiv sich äußerte sich die Presse, die vor allem das virtuose Ensemble hervorhob und es völlig zurecht als eines der Homogensten in der Geschichte des Theatersommers lobte. Auch die Zuschauerzahlen mit ca. 2.700 Besuchern ließen am Ende, trotz Fußball-Weltmeisterschaft, nichts zu wünschen übrig. Besonders erfreulich war die Resonanz bei den Schulklassen. Der durchschnittliche Anteil von Schülern erhöhte sich von ca. 3,5 % auf 15%, die die Aufführung von „Faust“ besuchten.

„Im Weißen Rössl am Ludwigsee“
In der Gestaltung des Spielplans 2018 kam der Produktion von Anfang an eine ganz besondere Bedeutung zu, musste sie doch im Kontext zu den künstlerisch sehr anspruchsvollen Produktionen, auch in wirtschaftlicher Hinsicht unbedingt ein Erfolg werden. Es gab also von Anfang an einen großer Erwartungsdruck, dem es gerecht zu werden galt. Umso erleichternder war es dann, dass die Produktion gleich mit der Premiere die Herzen der Zuschauer im Sturm eroberte. Unterstützt von einem geradezu euphorischen Presseecho begeisterte die Genderversion des etwas angestaubten Bühnenstücks von Oscar Blumenthal von Anfang an das Publikum. Die Idee aus dem Stück eine schrägen Persiflage mit Tiefgang und witzigen Interpretationen von Schlagern aus den Siebzigern zu machen funktionierte hervorragend. Besonders erfreulich war auch, dass die Inszenierung als ein Plädoyer für Toleranz in der gerade so aktuellen Diskussion um Geschlechterrollen verstanden wurde. Neben der überzeugenden Konzeption verdankt die Inszenierung ihren Erfolg auch einem grandiosen Ensemble, das jeden Abend mit rasanten Rollenwechsel und überzeugenden Figuren restlos überzeugte. Mit beinahe 6.000 Besuchern steht „Im Weißen Rössl am Ludwigsee“ gleich in der ersten Saison ganz weit oben in der Liste der Bestenliste und darf schon jetzt als Theatersommer-Klassiker bezeichnet werden. Wiederaufnahme in den nächsten Jahren nicht ausgeschlossen…

„Stadt der Träume“ und „Die Wand“
Ganz hervorragend funktionierte das Experiment, auf der Rondell-Bühne mit „Stadt der Träume“ und „Die Wand“ gleich zwei Stück zu zeigen, die sich mir unserem städtischen Leben auseinandersetzen. Publikum und Presse waren gleichermaßen angetan und alle Vorstellungen konnten stets vor ausverkauftem Haus gespielt werden. Unserer besonderer Dank gilt der Bürgerstiftung und der Stadt Ludwigsburg, die durch eine Sonderförderung im Rahmen der Feierlichkeiten zur 300-jährigen Stadtgründung Ludwigsburgs beide Produktionen ermöglicht haben.

Mit der Inszenierung von „Stadt der Träume“ entwarf der Theatersommer sein eigenes Stadtbild. Aus Javier Tomeos Roman „Die Taubenstadt“, Italo Calvinos „Die unsichtbaren Städte“ und Federico Fellinis „Das Buch der Träume“ entstand ein literarisches Triptychon. Die Zuschauer wurden in Form einer poetischen Reise durch surreale Stadtlandschaften geführt. In dieser Traumwelt erlebten die beiden Protagonisten in einer menschenleeren Stadt rätselhafte Abenteuer: Geheimnisvolle Tauben beherrschen zunehmend die Szene. In diesem humorvollen, poetischen, neurotischen Szenario fiel es den Zuschauern leicht, sich auf Fnragen einzulassen, die sich mit den Möglichkeiten des städtischen Lebens auseinandersetzten.

Auch die Wiederaufnahme der Dramatisierung des Romans „Die Wand“ von Marlen Haushofer konnte im Kontext zum Thema „Stadt“ ganz eigene Aspekte beleuchten. Was geschieht wenn ein Mensch nicht mehr städtischer Hektik ausgesetzt ist, sondern ganz allein in der Natur überleben muss? Die Inszenierung von Christiane Wolff ging weit über den Rahmen einer normalen Wiederaufnahme hinaus, da durch den neuen Spielort auf der Rondell-Bühne eine faszinierende Nähe entstand, der man sich nicht entziehen konnte. Aber vor allem punktete die Inszenierung durch das Spiel von Inga Kolbeinsson, die die Rolle übernommen hatte und in der Probenarbeit mit Christiane Wolff noch einmal völlig neu gestaltete. Das Ergebnis: quasi eine Neuinszenierung, die das Publikum von Anfang an in den Bann zog.

Kinder/Familien- und Schultheater
Im Kinder/Familien- und Schultheater hatten wir erstmals ein eigenes Ensemble engagiert. So konnten wir mit „Kalle Blomquist“ und „Urmel aus dem Eis“ gleich zwei Produktionen für unterschiedliche Altersgruppen anbieten. Trotz eines erweiterten Schultheater-Angebots waren erneut alle Vorstellungen von „Kalle Blomquist“ ohne jegliche Werbung innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Auch die Nachmittagsvorstellungen wurden stets vor vollen Rängen gespielt. Als zweite Produktion in Kintertheater trieb dann in den Sommerferien das „Urmel aus dem Eis“ sein witziges Unwesen und begeisterte erwachsene wie junge Besucher. Das kleine, aber feine vierköpfige Ensemble des Kindertheaters entwickelte beiden Inszenierungen noch einmal mit vielen neuen szenischen Ideen weiter und leistete bei teilweise tropischen Nachmittagstemperaturen Großartiges.

Der Anteil an Erwachsenen von nahezu 50% unterstreicht auch in der aktuellen Spielzeit, dass es dem Theatersommer gelungen ist, echtes Familientheater zu zeigen, das mit zeitlosen Stoffen die ganze Familie begeistert und gleichzeitig wertvolle pädagogische Akzente setzt. Durch das erweiterte Angebot sind die Zuschauerzahlen beim Kinder/Familien- und Schultheater um ca. 30 % auf sagenhafte 7.843 Besuchern angestiegen. Davon besuchten rund 3.434 Zuschauer das Schultheater und 4.409 die Nachmittags- aufführungen. Von 50 angesetzten Vorstellungen mussten nur zwei Vorstellungen wegen schlechtem Wetter abgesagt werden.