Theatersommer Ludwigsburg 2021

Der Theatersommer Ludwigsburg 2021 überzeugt in einer schwierigen Freilichtsaison 2021

Wechselhaftes Wetter und Corona-bedingte Einschränkungen – die vergangenen Monate haben es der Open-Air-Kultur alles andere als leicht gemacht. Dennoch kann der Theatersommer Ludwigsburg auf eine erfolgreiche Saison 2021 zurückblicken. Mit seinem Team gelang es Intendant Peter Kratz, in knapp drei Monaten insgesamt 108 Theateraufführungen sicher über die Bühne zu bringen. Und dies, obwohl wetterbedingt neun Aufführungen ausfielen und mehrere Vorstellungen bei starkem Regen abgebrochen werden mussten.Insgesamt besuchten 6.859 Zuschauer:innen den Theatersommer Ludwigsburg 2021. Das sind 40% mehr als im letzten Jahr, als der Theatersommer das einzige Freilichttheater in Baden-Württemberg war, das einen durchgehenden Spielplan mit drei Premieren realisieren konnte. Im Kindertheater wurde 2021 aufgrund des begrenzten Platzangebots die Schlagzahl durch Doppelvorstellungen deutlich erhöht. Knapp 2.000 Kinder und Familien sahen die 41 Aufführungen von PIPPI LANGSTRUMPF. Ein schöner Erfolg für die neue Leiterin des Kindertheaters Diana Gantner, die natürlich wie das ganze Theatersommer-Team darauf hofft, im nächsten Jahr endlich wieder vor vollen Rängen spielen zu können.Künstlerisch konnte vor allem die Neuinszenierung von Peter Handkes DIE STUNDE DA WIR NICHTS VONEINANDER WUSSTEN neue Akzente setzen. Dieses Theaterspektakel, das gänzlich ohne Sprache auskam, begeisterte nicht nur das Publikum, sondern wurde auch von der Presse einhellig gelobt. Aber auch das Sonderprogramm REALITY CLOSE-UP, das eigentlich zum 30. Jubiläum 2020 geplant war und auf dieses Jahr verschoben wurde, präsentierte den Theatergarten im Rahmen von szenografisch-architektonischen Projekten auf vielfältige, neue und faszinierende Weise. Im Rahmen des YOUNG ARTISTS PROGRAMMS stellte sich außerdem ein Team von jungen Theaterkünstlern dem Publikum vor und überzeugte mit der Inszenierung von Virginia Woolfs ORLANDO auf der kleinen Rondell-Bühne.Eine wichtige Säule des diesjährigen Erfolgs waren aber auch die Wiederaufnahmen von DIE BLECHTROMMEL und HOW TO DATE A FEMINIST. Zusammen mit den Aufführungen von PIPPI LANGSTRUMPF im Kinder- und Familientheater führten diese Produktionen die allermeisten Zuschauer in den verwunschenen Theatergarten mit seinen drei Bühnen. Allesamt Inszenierungen übrigens, bei denen der charakteristische Stil des Theatersommers besonders gut zur Geltung kommt. Das körperbetonte Spiel und eine stets überraschende Dramaturgie sind zum Markenzeichen geworden und kommen beim Publikum hervorragend an.Durch eine umsichtige Finanzplanung stehen die Chancen gut, dass auch diese schwierige Spielzeit ohne existenzgefährdende Verluste abgeschlossen werden kann. Fakt bleibt aber auch, dass dieses Jahr für dringend notwendige Reparaturen und Investitionen in die Infrastruktur des Theatersommers kaum mehr Gelder zur Verfügung stehen. Nach nunmehr 31 Spielzeiten ist manches in die Jahre gekommen, beispielsweise die Große Tribüne oder die bei Parallelveranstaltungen so wichtigen Schallschutzvorhänge. Hier hofft man noch auf beantragte Förderungen und Spenden.In den nächsten Jahren geht es nun vor allem darum, den Theatersommer behutsam, innovativ und ohne Substanzverluste aus der herausfordernden Zeit nach der Pandemie herauszuführen. Mit dem vor zwei Jahren gegründeten Theaterrat wurden hierfür wichtige strukturelle Weichen gestellt. Eins jedenfalls ist nach den beiden Corona-Spielzeiten mehr als deutlich geworden. Auf den Theatersommer ist auch in schwierigen Zeiten Verlass, wenn es darum geht, sich mit vielfältigem Engagement, künstlerischer Neugier und Zuversicht für die Kultur in Stadt und Region stark zu machen. [/toggle]

 30 Jahre Theatersommer + 20 Jahre Kinder- und Familientheater = Jubiläumsspielzeit 2020

Wie im Drama – alles anders!

30 Jahre Theatersommer Ludwigsburg + 20 Jahre Kinder- und Familientheater = Jubiläumsspielzeit 2020

Kaum überraschend: Nicht alles, was geplant war, wird im Sommer zu sehen sein. Doch die gute Nachricht ist, der Theatersommer 2020 kann stattfinden – nachdem die gesamte Spielzeit in Gefahr zu sein schien. Sie wird nun anders aussehen. Die Jubiläumssaison steht im Zeichen der Corona-Auflagen, und ausgerechnet das Sonderprogramm REALITY CLOSE-UP  muss verschoben werden. Aber wir können spielen, auf allen unseren Bühnen, und darüber freuen wir uns sehr!

Jubiläum? Das heißt Theater Drei-Null: Unglaubliche dreißig Jahre ist es her, dass der Theatersommer mit „Venus, Adonis und der Eber“ im damaligen Cluss-Garten gestartet ist. Die rund tausend Zuschauer der ersten Spielzeit haben sich munter vermehrt, heute sind es aus allen Altersgruppen zusammen stabile 16.000 bis 18.000 jährlich. „Drei-Null“, so hat der Theatersommer auch die Wette auf die entscheidenden Zutaten gewonnen, die den Erfolg bringen sollten. Erstens, die Menschen auf und hinter der Bühne, ihre Energie und ihre Ideen für immer wieder neue und überraschende Theater-Kreationen. Zweitens, das ebenso genussfreudige wie treue Publikum, das voller Neugier eine Menge Entdeckungen miterlebt hat. Drittens, natürlich, der Garten: eine Persönlichkeit von Anfang an, die sich bis heute bei jeder einzelnen Aufführung auf einmalige Weise präsent zeigt.

Doch halt, was wird hier eigentlich gespielt? Sehr, sehr vieles! Es kamen Shakespeares und Molières in Fülle, dazu zahllose weitere Klassiker, bis hin zu den Räubern und den neu besungenen Nibelungen. Die Filmgeschichte war gern gesehener Gast, mit Purple Rose of Cairo, Harry und Sally oder Harold and Maude. Beckett fand Gefallen an der Rondell-Bühne, Frankenstein und Faust und Steppenwolf gaben sich die Ehre. Hallo, das Schwarzwaldmädel, und Servus Im Weißen Rössl. Haben wir etwas vergessen? Beinahe, denn das „Drei-Null“ umfasst noch ein zweites Jubiläum! 20 Jahre Kinder- und Familientheater verzauberten mit Urmel, Pettersoon und Findus, Ronja Räubertocher und sogar einem Tintenherz viele tausend Zuschauer-Kinder. Die „Kleinen“ mit ihren Familien und den ausgebuchten Schulvorstellungen stellen mittlerweile den stattlichen Anteil von fast 7.500 Besuchern im Jahr.

So feiern wir mit diesem Doppeljubiläum „Drei-Null“ eine Generationen übergreifende Vielfalt an Bühnen-Ereignissen. Wir feiern aber auch den Anspruch auf Innovation, der jeder einzelnen Inszenierung zu Grunde liegt. Der Theatersommer hatte sich zum Ziel gesetzt, eine ganz eigene Handschrift zu entwickeln. Daraus ist eine Art dritter Weg geworden: ein sehr plastisches, körperlich präsentes Spiel, das auf überschaubarem Raum große Emotionen entfesselt und damit sowohl die klassische Bühnenkunst als auch die oft sperrige Moderne und das Kindertheater beseelt. Ein Spiel, das sich zudem beständig neu erfindet, spannende Wagnisse eingeht. Frankenstein im großen Schädel! Die Räuber mit vier Schauspielern und Tocotronic! Denn Musik war seit jeher reichlich dabei, manchmal inklusive Steptanz oder einem Howling Wolf live an der E-Gitarre. Außerdem ein Markenzeichen im Theatersommer: Kleine Ensembles für große Stücke, dadurch rasante, regelrecht artistische Rollenwechsel. Humorvoll, interaktiv, dynamisch. Ein Theater, das die Imagination zum Schwingen bringt, das alle Sinne und alle Ebenen anspricht, immer wieder neu, für jeden Menschen und jedes Alter.

Unser 20 Jahre altes Theatersommer-Kindertheater feiert im Jahr „Drei-Null“ einen Neuanfang. Denn in der Leitung vollzieht sich gerade ein Stabwechsel, die Übergabe an die jüngere Generation. Aber leider befindet sich das Kindertheater trotzdem in einer besonderen Situation, ja möglicherweise am Wendepunkt. Die Zuschüsse haben nie ausgereicht, um die bewusst moderat gesetzten Eintrittspreise zu halten; so hat der Theatersommer die Kindersparte über die Jahre stetig aus dem Abendtheater mitfinanzieren müssen. Daher ist aktuell bedauerlicherweise noch offen, wie es mit dem Kindertheater weitergehen kann.

Unabhängig davon steckt der Theatersommer nach 30 Jahren noch immer voller Energie – und Lust auf Veränderung. Unseren Start in die kommenden 30 Jahre prägt, in aller Kürze, dies: Mehr Team, mehr Nachwuchs, mehr Querverbindungen! Wir freuen uns darauf schon sehr. Darüber hinaus sollte die Spielzeit 2020 mit einem außergewöhnlichen Jubiläums-Sonderprogramm aufwarten. Mitten in den Vorbereitungen wurde das Projekt durch Corona unterbrochen – und muss verschoben werden auf die nächste Spielzeit 2021. Das Jubiläums-Spezialitätenpaket folgt im nächsten Jahr, versprochen.

Herzlich,

Ihr/Euer Theatersommer-Team