BELLA FIGURA
von Yasmina Reza
Deutsch von Thomas Ostermeier und Florian Borchmeyer
Aufführungsrechte bei Theater-Verlag Desch GmbH, Berlin
(Gesellschaftsabgrund auf der Überholspur)
„Bella Figura machen“ bedeutet in romanischen Ländern, die Contenance zu bewahren, die Fassade zu wahren. Und genau wie in ihren Kultstücken „Kunst“ und „Der Gott des Gemetzels“ zeigt die französische Autorin Yasmina Reza, wie dünn die Decke der Zivilisation ist, wie schwer es ist, sich gesittet zu benehmen.
Reza, die mit „Kunst“ und „Der Gott des Gemetzels“ weltberühmt wurde, hat das oft unterschätzte Genre der Boulevardkomödie auf den neuesten Stand gebracht: Sie zeigt scheinbar zivilisierte Männer und Frauen aus sogenannten besseren Kreisen, die aus nichtigen Gründen sensationell lustig und sensationell böse übereinander herfallen. Rezas Figuren sind keine Monster, sondern Menschen wie du und ich: Sie wollen einen schönen Abend haben, Eindruck machen, ihre Probleme verbergen. Doch unter dem Druck der Situation kommt nach und nach ans Licht, wer wirklich ist. „Diese Menschen sind Ungeheuer“, heißt es in „Der Gott des Gemetzels“ – und ähnlich gnadenlos geht es auch in „Bella Figura“ zu.
Ein Mann und eine Frau auf dem Parkplatz eines Restaurants in der Provinz. Andrea, alleinerziehende Mutter und pharmazeutisch-technische Assistentin, sitzt noch im Auto. Ihr Liebhaber Boris, Glasereiunternehmer und verheiratet, versucht sie zum Aussteigen zu überreden – trotz des Ausrutschers, den er gerade begangen hat: zu erwähnen, dass ihm das Restaurant von seiner Frau empfohlen wurde.
Die Stimmung ist angespannt. Boris ist pleite, Andrea hat eigentlich keine Lust mehr. Beide wollen den Ort schon wieder verlassen – und fahren dabei unabsichtlich auf dem Parkplatz eine ältere Frau um, die mit ihrem Sohn Eric und dessen Lebensgefährtin Françoise ihren Geburtstag feiern wollte. Doch Françoise ist zufällig die beste Freundin von Boris‘ Frau. Damit nimmt das Unglück in bester Reza-Manier tragisch-komisch seinen Lauf.
Was wie ein kleines Missgeschick beginnt, entwickelt sich zu einem Abend, an dem die Fassaden bröckeln: Boris und Andrea werden von Eric und Françoise zum Bleiben überredet – angeblich um Yvonne, die angefahrene Geburtstagsgastgeberin, zu beruhigen, tatsächlich aber, um das verdächtige Paar auszuforschen. In latent aggressiven Gesprächen, begleitet von den skurrilen Manövern der greisen Yvonne, wird offengelegt, wie es wirklich um die Paare steht.
Nach dem großen Erfolg von Yasmina Rezas schwäbischen Version von „Der Gott des Gemetzels“, die Peter Kleinert in der vergangenen Spielzeit im Theatersommer Ludwigsburg inszenierte, setzen wir unsere Reza-Reihe fort.
Regie: Peter Kleinert
Regieassistenz: Camilla Jeremias
Bühnenbild: Dirk Seesemann
Bühnenbau: Leonie Thiele
Es spielen: Julian Boine, Katja Henschel, Linda Prinz, Marvin Rehbock, Undine Schmiedl
Premiere: Freitag, 31. Juli 2026
weitere Vorstellungen bis 30. August 2026
PRESSESTIMMEN
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