Foto (oben): „Alle 16 Jahre im Sommer“ (Hans-Helge/B. Linke, Sabine/A. Barth), ThS 2015

Der Theatersommer ist anders – weil …


… er sinnlicher ist. Das hängt mit vielen Faktoren zusammen. Zuallererst natürlich mit der magischen Atmosphäre draußen im Cluss-Garten. Dann natürlich das sehr „straighte“, körperbetonte Spiel ohne die derzeit so angesagte Konzept-Überfrachtung. (…) Da werden Figuren verschmolzen und Beziehungs-Konstellationen verschoben, da wird der Ton heutiger und umgangssprachlicher, da werden komische Situationen betont und zugespitzt. Gleichzeitig versteht sich jede Inszenierung als Reverenz an den Autor, der nach teils mehreren hundert Jahren immer noch zu uns spricht. (…) Die Herangehensweise an jedes einzelne Stück war und ist typisch und unverwechselbar Theatersommer. Das Publikum kann sich darauf verlassen, niveauvoll unterhalten, aber eben auch überrascht zu werden. (…)  mehr...

Trotzdem hat sich der Theatersommer in den letzten Jahren auch spürbar verändert. Er hat schlicht zugelegt, mit mehr Produktionen pro Spielzeit, einem größeren Ensemble und nicht zuletzt deutlich erweiterten Sitzkapazitäten. Vor allem aber wurden immer neue Elemente zu den vertrauten hinzugefügt. Das ursprünglich klassische Wochenende-Kindertheater wurde zum Familien- und Schultheater weiterentwickelt. Generell stehen nicht nur „echte“ Dramen, sondern auch Adaptationen von Romanen und Kino-Filmen auf dem Programm. Und last but not least passen die Stoffe immer weniger in eine Genre-Schublade. Noch mehr als in den Anfangsjahren fließen das Komische und Tragische ineinander. (…) Und die – im Gegensatz zu praktisch allen anderen Theatern, die ich kenne – wunderbare Konstanz in der künstlerischen Leitung. Nachhaltigkeit! Wenn ich es recht bedenke, ist es das, was ich mit dem Theatersommer am meisten verbinde.
(Auszüge aus einem Interview mit der Presse- und Medienfachfrau Nicola Steller)

… wir wissen, dass im lebendigen Theater der Erfolg kein Selbstläufer ist. Auch wenn wir uns nach 25 Jahren Theatersommer sehr darüber freuen, dass das Publikumsinteresse, mit aktuell mehr als 16.000 Zuschauern, stetig weiter wächst,  gilt es jedes Jahr aufs Neue mit den vielschichtigen gesellschaftlichen und psychologischen Themen auf Augenhöhe zu kommen und in der Auswahl der Stücke eine glückliche Hand zu behalten. Einen neuen Spielplan zu gestalten bedeutet jedesmal wieder eine Leiter zu besteigen, von der man nicht weiß, ob sie an der richtigen Wand lehnt. (…)  mehr...

Die Lebendigkeit der Natur und die Weite des offenen Himmels ermöglicht ein außergewöhnlich vielschichtiges Theater-Erleben. Ängste, Hoffnungen, Leidenschaften, aber auch Freude und Glück empfindet man anders als in einem Raum mit vier Wänden. Oft gelingt hier draußen sogar ein neuer Blick auf die großen und kleinen Mechanismen des Menschseins in unserer im Umbruch befindlichen Gesellschaft. Ein solcher neuer „Freiluft-Blick“ auf Mensch und Gesellschaft kann sich aber nicht nur beim Betrachten der Inszenierungen von Tschechows „Möwe“, Hesses „Steppenwolf“ oder Kafkas „Prozess“ entfalten, sondern mit besonderer Leichtigkeit auch beim Erleben unserer Komödien. Wie treffend bemerkte doch schon der französische Theatermacher Molière: „Die Pflicht der Komödie ist es, die Menschen zu bessern, indem man sie amüsiert!
Unser Ziel war es seit jeher, große Klassiker- und Filmstoffe intelligent zu bearbeiten und in modernen, körperbetonten Inszenierungen zu präsentieren, die sich harmonisch in das traumhafte Ambiente des Theatergartens einfügen. Dieser Philosophie sind wir bis heute treu geblieben. Vielleicht liegt darin der Grund, weshalb man uns, aller Konkurrenz zum Trotz, nach wie vor ein „Alleinstellungsmerkmal“ in Ludwigsburg und Region zuschreibt.
Wir freuen uns jedenfalls sehr über das ungetrübte Interesse von Publikum und Presse an unserem Stil und unserer Art, Theater zu machen.

In den letzten Jahren haben wir uns verstärkt populären Filmstoffen zugewandt. Mit Woody Allens „Purple Rose of Cairo“ und Wim Wenders‘ „Himmel über Berlin“ konnten zum Auftakt gleich zwei erfolgreiche deutsche Erstaufführungen künstlerisch und konzeptionell Akzente setzen. Die deutschsprachigen Erstaufführung von „Frühstück bei Tiffany“ im Jahre 2014 krönte unser Bestreben, Filmklassiker für das Medium „Theater“ zu übertragen und bei deren Inszenierung dennoch neue, eigene Akzentuierungen zu wagen.
In unserer 25. Jubiläumsspielzeit hatten wir uns unter dem Motto „Past-Now-Future“ einiges vorgenommen. Ganze sieben Produktionen, mehr als 100 Vorstellungen wie auch ein umfangreiches Sonderprogramm inklusive Lesungen, Konzert und multimedialer Ausstellung standen auf dem Programm, welches jedoch nicht nur einen Überblick über das breite Spektrum unserer Vergangenheit bieten, sondern auch Wegmarken und Akzente gen Zukunft setzen sollte.
Mit der Rondell-Bühne entstand im Zuge dessen eine eigene Spielstätte für experimentelles Theater. Auch auf der großen Bühne wagten wir uns auf neues Terrain, stand doch mit John von Düffels „Alle 16 Jahre im Sommer“ erst-, wenn auch sicher nicht letztmalig, ein zeitgenössischer Autor auf dem Spielplan.

In der Balance zwischen Roman-Bearbeitungen, experimenteller Gegenwartsdramatik, populären Filmstoffen und zeitlosen Theatersommer-Klassikern wie „Sommernachtsträume“, „Diener zweier Herren“ oder „Was ihr wollt!“, sowie den Aufführungen im Kinder- und Familientheater werden wir auch weiterhin spannendes Theater für ein denkbar breit gefächertes Publikum anbieten. Und es ist ein treues und neugieriges Publikum, aus unterschiedlichsten Menschen aller Generationen, die sich im Sommer aufmachen, um Theater à la Theatersommer unter freiem Himmel zu erleben. Sie alle laden wir ein, jedes Stück neu zu genießen, sich packen zu lassen, sich zu vergnügen – und dabei immer auch einen „theatralischen“ Blick auf sich selbst und unsere Gesellschaft zu werfen.

Unser künstlerisches Profil aus anderen Blickwinkeln

 Grundfragen des menschlichen Daseins - Werner Spec – Oberbürgermeister der Stadt Ludwigsburg –
Der Theatersommer im Cluss-Garten ist seit langer Zeit ein Kleinod in der Kulturlandschaft Ludwigsburgs. Die besondere und überzeugende Stilistik und Theaterform machte nicht vor den Klassikern halt und ging nach den ersten Jahren weit über Shakespeare hinaus bis in die Gegenwart. Tausende von Besuchern haben sich in diesen Jahren Liebe, Leid, Nöte und Sternstunden, kurzum – Grundfragen des menschlichen Daseins mit Ernst, aber auch mit dem unverzichtbaren Witz näher bringen lassen.

Die Stadt Ludwigsburg kann stolz sein auf die Akteure des Theatersommers, die diesen unvergleichlichen Ort nicht nur bewahrt, gehegt, und dabei Wind und Wetter getrotzt haben, sondern dem Spektrum der kulturellen Ausdrucksweisen in der Kulturstadt einen ganz eigenen Bestandteil hinzugefügt haben.
Für eine Stadt, die sich hohen Qualitäten und einer nachhaltigen Entwicklung verschrieben hat, sind solche Partner unverzichtbar: Sie buchstabieren die Gegenwart mittels der Sprachen der Kunst durch und setzen neue, durchaus überraschende Perspektiven in den Raum. Sie zeigen, dass unsere Zeit nur in dem Maße zukunftsfähig bleibt, wie sie variabel und veränderlich ist.
Auszug aus dem Grußwort zur Jubiläumsspielzeit 2015

 Theater hautnah! - Staatssekretär Jürgen Walter MdL -
(…) So hautnah bekommt man Theater in den seltensten Fällen serviert, eine räumliche Distanz zwischen den Akteurinnen und Akteuren auf der Bühne und dem Publikum gab und gibt es nicht. Ja, in den Anfangsjahren gab es oft nicht einmal eine Bühne. Heute finden mehr als 16.000 Besucherinnen und Besucher ihren Weg zu diesem Theaterereignis, das in der Region Stuttgart längst eine feste Größe ist.

Seit bereits zehn Jahren wird das Angebot um ein sehenswertes Kinder-und Familienprogramm erweitert. Der Theatersommer bietet damit nicht nur gute Unterhaltung, sondern er führt auch junge Menschen an das Theater und an die Kultur heran. Dies ist aus Sicht der Landesregierung sehr zu begrüßen, denn kulturelle Bildung ist ein wichtiger Baustein der baden-württembergischen Kulturpolitik. (…)

Grußwort zur Jubiläumsspielzeit 2015

 25 Jahre und immer noch toll! - Stuttgarter Zeitung -
Respektvoll und respektlos zugleich Klassiker umzumodeln, ist das Markenzeichen des Theatersommers. Das Besondere und Bestechende am Theatersommer ist es, Vorlagen ernst zu nehmen und intelligent zu verändern und damit den Gehalt der Stücke durch kluge Modernisierungen für die Gegenwart interessant zu machen. Das Schöne im Cluss-Garten aber ist die Nonchalance der Aufführungen, die sommerliche Leichtigkeit, das Amüsante und Schräge. Der Ludwigsburger Theatergarten – eine Oase spielerischer Leichtigkeit.

Freilichttheater? Heißt das: unkonventionelle Inszenierungen, schlechte Schauspieler und manchmal schlechtes Wetter, weswegen man einen Anorak mitschleppen sollte? Die Frage muss man gerechterweise mit „manchmal, aber nicht immer“ beantworten. Was den Ludwigsburger Theatersommer angeht, stimmt bloß Letzteres. Ansonsten agieren hier professionell ausgebildete Darsteller, und die Inszenierungen fetzen mächtig. Das ist das Markenzeichen der Theater-Macher Peter Kratz und Christiane Wolff. Und wer einmal angesteckt wurde von dem ganz eigenen Stil der beiden, der freut sich jedes Jahr auf die Theatersommer-Premieren. Allein schon des Spielorts wegen, der immer schöner wird. Das Foyer im Freien wirkt mit Tischlein und Wäldchen wie die Bühne eines Tschechow-Stücks. Ein Ort wie nicht von dieser Welt, doch die Produktionen in diesem wunderbaren Garten sind stets absolut von dieser Welt. „Wir wollen einmal im Jahr das ganz Besondere machen“, sagt Peter Kratz. Ohne Frage haben sich Christiane Wolff und Peter Kratz mit ihren Produktionen den Ruf erspielt, Freilichttheater zu machen, das auf der Höhe der Zeit ist. Zu erleben ist rasantes Körpertheater mit viel Futter fürs Auge und mit einem ganz eigenen, couragierten Zugriff, der den Klassikern Spannendes zu entlocken vermag.

 Eines der profiliertesten Freilichttheater des Landes - Ludwigsburger Kreiszeitung -
Der Theatersommer im Cluss-Garten gehört zur Ludwigsburger Kulturszene wie das Forum am Schlosspark oder die Schlossfestspiele. Seit 25 Jahren bieten hier Peter Kratz und Christiane Wolff eine Art von Theater, wie man es sonst nirgendwo findet. Und zu Recht ist dieses Theater längst Kult, hat so manche Möchtegernnachahmer überdauert und ist auch nach einem Vierteljahrhundert immer wieder bereit und in der Lage, sich ein Stück weit neu zu erfinden.

Begonnen hat alles im Jahr 1991 mit Shakespeare und so ging es auch noch einige Jahre weiter, die Spielstätte wurde sogar schon „Shakespeaere Garten“ genannt. Nahezu alle großen Werke des Barden standen in den 90er Jahren auf dem Spielplan – und wurden zum wachsenden Vergnügen des Publikums kräftig gegen den Strich gebürstet. Kratz und Wolffs Versionen der klassischen Stoffe waren von Beginn an rasant und frech inszeniert.

Das Kennzeichen einer „Theatersommer-Bearbeitung“ egal welchen Stoffs ist bis heute ein körperbetonter Zugang zu den Figuren. Die Stücke werden mit viel Liebe zum Detail entwickelt. Die Akteure zeigen stets Fähgikeiten, die einen wirklich guten Schauspieler ausmachen und die besonders bei den wechselnden Rollen hier und beim Theatersommer überhaupt unabdingbar ist: Sie sind wandlungsfährig, können ganz unterschiedliche Charaktere zeichnen und sie spielen, deklamieren, singen, tanzen und turnen, dass es eine Lust ist und bewahren sich dabei meisterhaft ihr spezielles Charisma.

Eine Theatersprache, die vor allem Peter Kratz auf der Bühne selbst geprägt hat. Nach den ersten zehn Jahren, verlagerte er seinen Schwerpunkt allerdings auf die Regiearbeit. Und auch Christiane Wolff setzte in dieser Zeit einen neuen, zukunftsweisenden Akzent: Das Kinder- und Familientheater hielt im Jahr 2000 Einzug in den Theatergarten. Es folgten weitere neue Akzente, etwas Literaturadaptionen wie Hesses „Steppenwolf“ und Kafkas „Prozess“ sowie die Inszenierung von bekannten Kinostoffen für die Bühne, im Jahr 2010 etwa die deutsche Bühnenpremiere für Woody Allens „Purple Rose of Cairo“.

Neues wagen und doch Identität und Tradition bewahren. Keine schlechtes Rezept für 25 Jahre Erfolg.

Hand aufs Herz, wer hätte gedacht, dass aus einem kleinen Theaterexperiment in einem verwilderten Garten, einmal eines der profiliertesten Freilichttheater des Landes werden würde?