PRESSEMELDUNG

13.000 Zuschauer*innen – neue Facetten –
unsichere Zukunft – Corona bedingte Absagen –

Drei aufregende Monate mit vielen Höhepunkten liegen hinter dem Theatersommer Ludwigsburg. Dennoch gab es in der Saison 2022 auch schwierige Phasen. Umso mehr freut sich das Theatersommer-Team um Intendant Peter Kratz, am Ende eine ausgesprochen positive Bilanz ziehen zu können. Nach zwei Corona-bedingt sehr eingeschränkten Spielzeiten verdoppelten sich die Zuschauerzahlen im Vergleich zu 2021 und übersprangen mit rund 13.000 Besuchern locker die Zehntausender-Marke. Im Kindertheater besuchten 5.100 Familien und Kinder die Nachmittagsaufführungen und zusätzlich 2.058 Kinder die Schultheater-Aufführungen. Die Vorstellungen des Abendspielplans zählten 5.800 ZuschauerInnen.

Der Theatersommer ist stolz auf dieses sehr gute Ergebnis – zumal bundesweit viele Theater unter einem merklichen Zuschauerschwund leiden. Mehr noch: Beinahe hätte der Theatersommer sogar an die Rekordzahlen der Jahre 2018 und 2019 mit mehr als 16.000 Besuchern anknüpfen können. Doch in der Bilanz schlugen über 20 ausgefallene Vorstellungen zu Buche – teils wetterbedingt, vor allem aber aufgrund von Corona-Erkrankungen im Ensemble. Zehn bereits ausverkaufte Vorstellungen von KÖNIG LEAR und auch die Wiederaufnahme von DIE STUNDE DA WIR NICHTS VONEINANDER WUSSTEN mussten daher abgesagt werden.

Dass der Theatersommer Ludwigsburg offenbar sehr viel richtig gemacht hat, zeigt nicht nur das große Publikumsinteresse quer durch alle Bevölkerungsgruppen, sondern auch die starke künstlerische Performance. Alle drei Inszenierungen im Abendspielplan wurden von Presse und Publikum gleichermaßen begeistert aufgenommen. KÖNIG LEAR setzte zudem nach längerer Pause die große Shakespeare-Tradition des Theatersommers fort – mit neuen Akzenten und in der griffigen, modernen Übersetzung von Thomas Melle. Nicht weniger innovativ gab sich das genreübergreifende Spektakel MAGICAL MYSTERY DREAM, das Elemente des Figuren- und Puppentheaters integrierte. Zum Ende der Saison unterstrich die inzwischen vierte Wiederaufnahme der modernen Komödie HOW TO DATE A FEMINIST das breite künstlerische Spektrum des Theatersommers. Dass allen drei Inszenierungen der Spagat zwischen zeitgenössischem Klassiker, fantasievollem Musiktheater und moderner Komödie gelang, ist ein Erfolg, den sich auch Regisseur und Intendant Peter Kratz auf die Fahnen schreiben kann.

Vom Kinder- und Familientheater gibt es ebenfalls Positives zu berichten. Nach zwei Jahren Pandemie-Pause konnte der Theatersommer endlich wieder für die Schulen aus der Stadt und dem Kreis Ludwigsburg spielen. Die Nachfrage übertraf alle Erwartungen und so waren alle angesetzten 19 Schulvorstellungen von PIPPI LANGSTRUMPF innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Der einzige Wermutstropfen: Das neue theaterpädagogische Angebot für Schulen konnte nicht in vollem Umfang realisiert werden, da sich Mitglieder des Kindertheater-Teams ausgerechnet bei einer solchen Veranstaltung mit Corona angesteckt hatten. Und so fielen auch beim Kindertheater mehrere Theaterpädagogik-Termine und Vorstellungen von PIPPI LANGSTRUMPF ins Wasser.

Dagegen wurde die Neuproduktion von Paul Maars EINE WOCHE VOLLER SAMSTAGE glücklicherweise nur wenig durch Corona tangiert. Diana Gantner, seit 2020 Regisseurin und Leiterin des Kinder- und Familientheaters, überzeugte mit ihrer temporeichen, humorvollen Inszenierung einmal mehr Publikum und Presse. Insgesamt feierten 3.814 kleine und große Zuschauer die Aufführung des SAMS und alle Vorstellungen waren restlos ausverkauft. Ein schöner Erfolg für das gesamte Kindertheater-Team. Wie es mit dem so beliebten Kinder- und Familientheater weitergeht, bleibt allerdings ungewiss. In den letzten drei Jahren konnte der Theatersommer die Finanzierung zum größten Teil nur durch einmalige Bundes- bzw. Landesförderungen, Stiftungen und private Spenden sichern.

DAS FAZIT: Rein künstlerisch betrachtet könnte der Theatersommer voller Optimismus in die Zukunft blicken. Sorge bereiten jedoch die Finanzen, vor allem wenn sich die aktuellen Krisen auch 2023 negativ auf die Kulturförderung der Stadt auswirken. Schon in den Zeiten vor Corona war es für den Theatersommer nicht mehr möglich, die steigenden Kosten restfrei durch eigene Einnahmen zu kompensieren. Sowohl die Eintrittspreise als auch die maximal mögliche Vorstellungsanzahl und die damit verbundene Zuschauerkapazität, sind schon seit Jahren am oberen Ende der Fahnenstange angelangt.

Vor diesem Hintergrund scheint es ausgeschlossen, mit einer unveränderten Förderung einen solch ambitionierten, umfangreichen Spielplan aufrechtzuhalten. Kostenintensive Programmangebote wie das Kinder- und Familientheater müssten drastisch reduziert oder ganz gestrichen werden. Das gilt bereits für das kommende Jahr! Bleibt zu hoffen, dass die öffentlichen Förderer ein deutliches Signal für die Zukunft des Theatersommers setzen.